Aus Patientensicht: Zehn Leitsätze zur Teledermatologie

Versorgung

Teledermatologie sollte dort eingesetzt werden, wo sie einen Beitrag zu einer verbesserten Versorgung des Patienten leistet.

Nutzen

Jede Indikationsstellung erfolgt somit unter Beachtung des patientenseitigen therapeutischen Nutzens.

Sorgfalt

Auch bei Anwendung teledermatologischer Verfahren gelten die Sorgfaltspflichten wie in der herkömmlichen Behandlung.

Kenntnisse

Die teledermatologische Behandlung erfordert spezifische Kenntnisse in den eingesetzten Technologien inklusive deren Limitationen und Risiken.

Fachwissen

Für die teledermatologische Behandlung ist in gleichem Maße ärztliches Fachwissen erforderlich wie für die konventionelle Behandlung.

Datenschutz

Den gesetzlichen Anforderungen an die Behandlung, insbesondere den Maßgaben des Datenschutzes, ist jederzeit Folge zu leisten.

Einverständnis

Bei Kenntnis der Limitationen und Risiken sowie Beherrschung der technischen Aspekte stellt die Teledermatologie für viele Indikationen eine wertvolle Ergänzung der Versorgung dar, erfordert dennoch aber das Einverständnis des Patienten.

Studien

Für zahlreiche dermatologische Indikationen wurde in kontrollierten Studien eine Äquivalenz oder Überlegenheit der teledermatologischen Behandlung gezeigt, für andere nicht.

Zuwendung

Patienten mit Hautkrankheiten haben in besonderer Weise einen Bedarf nach persönlicher Information und Zuwendung, der durch teledermatologische Anwendungen stets zu beachten ist.

Zukunft

Wichtige zukünftige Anwendungsfelder der Teledermatologie sind sowohl die Diagnostik wie auch die Therapie und das Therapiemanagement, ferner die Edukation und das Patienten-Empowerment.

Die Leitlinie im Überblick

Hintergrund

Teledermatologische Anwendungen werden im deutschen Versorgungssystem in den nächsten Jahren erheblich an Bedeutung gewinnen. Das vorliegende Empfehlungspapier wurde als Expertenkonsens auf der Basis einer qualifizierten Literaturrecherche und eines Delphi-Entscheidungsprozesses entwickelt.

Zielsetzung

  • die IST-Analyse zum Einsatz der Telemedizin in der Dermatologie,
  • die Bewertung der Evidenz ihres Nutzens und ihrer Sicherheit und
  • die Entwicklung von Verfahrensstandards für die ärztliche Praxis in den deutschsprachigen Ländern. Auf der Basis dieser Erkenntnisse soll durch einen Expertenkonsens eine Handlungsorientierung für den Einsatz der Teledermatologie gegeben werden.

Methoden

  1.  Systematische Literaturrecherche in den internationalen medizinischen Online-Datenbanken;
  2. Weitere, teils manuelle Recherchen,
  3. Expertenkonsens mit einem systematischen Entscheidungsverfahren.

Ergebnisse

In der strukturierten Literaturrecherche fanden sich 206 wissenschaftliche Originalarbeiten, in denen Anwendungen der Telemedizin bei Hautkrankheiten thematisiert wurden. Diese wurden systematisch aufgearbeitet, analysiert und bewertet. In der zweiten Stufe wurden in einer Handsuche zusätzliche relevante Schriften identifiziert und ebenfalls ausgewertet. Das Expertengremium entwickelte dann auf der Basis der externen Evidenz sowie der internen Diskussion Handlungsempfehlungen für die Praxis. Schlussfolgerung der wissenschaftlichen Studienlage ist, dass die telemedizinische Unterstützung der dermatologi-schen Behandlung und Prävention bei Einsatz leistungsfähiger Systeme, Kenntnis ihrer Anwendung sowie Beachtung der Indikationen und Kontrainidikationen eine erheblichen Mehrnutzen darstellt.

Schlussfolgerungen

Die Teledermatologie hat in den deutschsprachigen Ländern wie auch weltweit einen zunehmenden Stellenwert und bietet aufgrund des hohen Innovationsgrades eine Vorreiter- und Vorbildfunktion für weitere telemedizinische Anwendungen anderer Fachrichtungen. Eine qualitätsgesicherte teledermatologische Behandlung ist in den deutschsprachigen Ländern möglich. Ihr Einsatz ist immer dann in Erwägung zu ziehen, wenn relevante Zusatznutzen für die Patienten ohne relevante Nachteile für sie und für die Versorgenden zu erwarten sind.

Für die teledermatologische Behandlung wurden mit dem vorliegenden Konsensuspapier praxisrelevante Maßgaben festgelegt. Etwaige situationsabhängige Limitationen in der Versorgung sind stets zu beachten.

Nicht alles technisch Machbare ist in der Teledermatologie auch versorgerisch sinnvoll