Warum Versorgungsforschung?

Aufgabe der Versorgungsforschung ist die Beschreibung, Erklärung und Verbesserung der gesundheitlichen  Versorgung unter Alltagsbedingungen, also der "realen Versorgung". Diese Aufgabe wird weit überwiegend auf der Basis von Daten geleistet. Entscheidend für die Versorgungsforschung ist somit die permanente Beschaffung und Aufarbeitung versorgungsnaher Fakten. Unterschiedlichste Datenquellen sind  zur sachgerechten Beschreibung der Versorgung zwingend notwendig. Mithilfe diverser Datenquellen werden für jede wichtige Erkrankung in der Dermatologie und den angrenzenden Fächern jeweils die folgenden Fragestellungen geklärt:

  1. Häufigkeit der Erkrankung
  2. Krankheitslast und Bedeutung aus Patientensicht
  3. Klinische Relevanz
  4. Qualität der medizinischen Versorgung, Über-, Unter- Fehlversorgung
  5. Verfügbarkeit und Einsatz von Leitlinien und Versorgungsstandards
  6. Prozessqualität durch Kooperation, Kommunikation und Vernetzung
  7. Wirtschaftlichkeit und gesundheitsökonomische Bedeutung
  8. Zugang zur Versorgung und Zugangsgerechtigkeit
  9. Potenzial für Prävention und gesundheitliche Aufklärung
  10. Expertisen zur Versorgungsnotwendigkeit

Versorgungsforschung in Hamburg

Forschungsgruppen in Deutschland stimmen sich in der Agenda der Versorgungsforschung mit DDG und BVDD  ab und kooperieren eng miteinander.

Den vielfältigen Fragestellungen widmet sich zum Beispiel das 2004 mit Unterstützung des BVDD und der DDG ins Leben gerufene Competenzzentrum Versorgungsforschung in der Dermatologie (CVderm) am UKE in Hamburg. Um in der Politik und bei der frühen Nutzenbewertung innovativer Medikamente Einfluss auszuüben, brauchte es belastbare, evidenzbasierte Daten - das war seinerzeit eine ganz entscheidende Motivation für die Gründung des Competenzzentrums. Wie richtig und notwendig diese Entscheidung war, zeigt die kontinuierliche Entwicklung des CVderm. Seit 2010 ist es ein eigenständiges Universitätsinstitut mit einer Professur. Abseits vom gesundheitspolitischen Hype in Berlin wuchs das CVderm zu einem der großen Versorgungsforschungsinstitut in Deutschland. Unter der Leitung von Professor Dr. med. Matthias Augustin forschen dort heute über 90 Mitarbeiter in Spezialabteilungen wie Epidemiologie, Registerforschung, Gesundheitsökonomie, Medizingeographie, Prävention und "People-centered health care".

Die Nase vorn

Im internationalen Vergleich setzt Deutschland in der Versorgungsforschung in der Dermatologie Maßstäbe und ist in vielen Bereichen führend. Hierzu gehören die nationalen Versorgungsprogramme zu Psoriasis,  Hautkrebs, Wunden oder zukünftig auch zur Neurodermitis. Auch bei der Entwicklung von Versorgungsstandards ist die Versorgungsforschung in Deutschland weit fortgeschritten; gleiches gilt für die Patientenorientierung in Form von Mitbeteiligung der Patienten und patientenberichteten Behandlungsendpunkten.

Maßstäbe in der Patientenorientierung

Für Letztere wurden am CVderm heute weltweit anerkannte Methoden wie der "Patient Benefit Index" oder die validierten Lebensqualitätsinstrumente (z.B. Wound-QoL, FLQA) entwickelt. Unter der Federführung des CVderm wurden in einem breiten Bündnis aus Forschern, klinisch tätigen Ärzten, Vertretern aus Selbstverwaltung und Zivilgesellschaft die Leitlinien der Teledermatologie erarbeitet. Auch  die Agenda der digitalen Transformation in der Dermatologie im neuen Programm "eDERM" 2019-2025  wurde in Hamburg entwickelt.  International bestehen Kontakte in über 130 Länder  und das CVderm ist eines der beiden weltweiten Zentren beim "Global Psoriasis Atlas".

State-of-the-Art in der hautärztlichen Versorgung

Alle Erkenntnisse der Versorgungsforschung werden vom CVderm dem BVDD und der DDG zur unmittelbaren Nutzung zur Verfügung gestellt. Mitglieder der dermatologischen Gesellschaften wie auch andere Kooperationspartner können zudem Unterstützung in wichtigen Fragestellungen beim CVderm anfordern. Häufige Anlässe sind im ambulanten Bereich z.B. Wirtschaftlichkeitsprüfungen der Praxen, Fragen der sachgerechten Behandlung und Standards sowie im stationären Bereich die Bedarfsplanung und die Erhaltung der stationären Abteilungen.

Kontakt/Info: Prof. Dr. Matthias Augustin, Institut für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen

MA/BVDD 10.01.19

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