Adipositas betrifft etwa ein Viertel der Erwachsenen in Deutschland (BMI ≥30 kg/m2). Sie ist aufgrund der Vielzahl an Folge- und Begleiterkrankungen wie Diabetes Typ 2 oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine enorme Herausforderung für Patientinnen und Patienten, Behandler und das Gesundheitssystem. Adipositas und Hauterkrankungen sind häufig und können einander bedingen.
Die genauen Mechanismen für diesen Zusammenhang sind noch nicht bekannt. „Vermutet wird, dass überschüssiges Fettgewebe proinflammatorische Mechanismen auslöst, die die Entwicklung von Hautkrankheiten beeinflussen“, so Blüher. Dabei spielt das weiße Fettgewebe eine Rolle, das nicht nur Energiespeicher ist, sondern auch selbst Hormone produziert. Diese wiederum beeinflussen Stoffwechsel- und Immunfunktionen. Erkrankungen des Fettgewebes sind daher mit Herz-, Stoffwechsel- und Entzündungserkrankungen, Krebs und mit der Hautgesundheit assoziiert.
Eine Gewichtsreduktion kann nicht nur die allgemeine Gesundheit verbessern, sondern auch die Wirkung moderner Biologika-Therapien unterstützen. Die konservativen Maßnahmen der Adipositastherapie bleiben wichtig: Ernährungsumstellung, Bewegung und verhaltenstherapeutische Maßnahmen sollen zur langfristigen Gewichtsreduktion führen. Sie erzielen jedoch nur einen moderaten Gewichtsverlust von drei bis fünf Prozent vom Ausgangsgewicht.
Neue Medikamente wie sogenannte Inkretinmimetika („Abnehmspritze“) können eine Gewichtsreduktion von teils über 20 % ermöglichen und unterstützend eingesetzt werden. Ihr Einsatz gehört aber immer in ärztliche Hände, denn es gibt unerwünschte Begleiteffekte und noch wenig Wissen zu Langzeitfolgen. „Eine enge Abstimmung zwischen den Behandelnden aus Dermatologie und Endokrinologie erscheint daher sehr sinnvoll“, ergänzt Prof. Blüher.
Neben der Schuppenflechte stehen vermutlich auch andere entzündliche Dermatosen wie Hidradenitis suppurativa (Akne inversa) und atopische Dermatitis (AD) im Zusammenhang mit Adipositas.
