Eichenprozessionsspinner Was bei Raupendermatitis hilft

Euskirchen

Fast unsichtbar, aber tückisch: Die Brennhaare der Raupen vom Eichenprozessionsspinner können ausgeprägte Reaktionen an Haut, Augen und Atemwegen auslösen. Besonders im Mai und Juni ist die Gefahr groß. Aber auch nach der Verpuppung ab Juni/Juli bleiben die alten Nester mit den Haaren jahrelang bestehen. Windstöße können die Brennhaare auch unabhängig von der Jahreszeit über hunderte Meter verbreiten.

Der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) ist ein Nachtfalter, der von Juli bis September fliegt und seinen Namen den charakteristischen Raupenkolonnen verdankt, die an eine Prozession erinnernd Bäume hinauf- und hinabwandern. Da er warm-trockenes Klima bevorzugt, breitet er sich in Folge des Klimawandels zunehmend auch in Deutschland aus. Ein Weibchen legt im Herbst ihre bis zu 200 Eier bevorzugt an Eichen ab.

 

Das medizinische Problem entsteht durch die Raupen: Sie schlüpfen etwa ab April/Mai und entwickeln dann im 3. Larvenstadium (ab Mai) bis zu 600.000 mikroskopisch kleine Brennhaare pro Tier. Diese Haare sind mit Widerhaken versehen und enthalten das Nesselgift Thaumetopoein. Schon minimaler Kontakt genügt, damit die Haare in Oberhaut und Schleimhäute eindringen und Beschwerden auslösen.

 

Besonders heimtückisch: Auch wenn die Raupen sich bereits verpuppt haben, bleiben verlassene Nester mit den Brennhaaren noch jahrelang eine Gefahrenquelle. Windstöße können die winzigen Haare über Hunderte von Metern verbreiten.

 

Typische Symptome der Raupendermatitis

Bei Kontakt der Haut mit den Brennhaaren kann es zu einer sogenannten kommen. Die Haare lösen sowohl eine mechanische Reizreaktion durch ihre Widerhaken als auch eine toxische, seltener auch allergische Reaktion durch das Nesselgift aus. Die Symptome auf der Haut können sein:

  • Rötung

  • starker Juckreiz

  • Quaddeln und Papeln (Knötchen, ähnlich Insektenstichen)

 

Auch Reizungen an Augen, Mund- und Nasenschleimhäuten sind möglich und können Husten und Atembeschwerden verursachen. 

 

Die Beschwerden können innerhalb von Stunden nach dem Kontakt auftreten und klingen unbehandelt meist innerhalb von bis zu zwei Wochen wieder ab. Eine ursächliche Therapie gegen das Nesselgift Thaumetopoein existiert nicht. Eine mögliche Behandlung zielt darauf ab, die Symptome zu lindern.

 

Mittel der ersten Wahl sind äußerlich angewendete (topische) Kortisonpräparate, zusätzlich können auch juckreizlinderne Wirkstoffe eingesetzt werden. Auch das Kühlen der betroffenen Hautstellen kann helfen.

 

Systemisch wirkende Präparate – zum Beispiel Tabletten oder Spritzen – kommen nur bei sehr ausgeprägtem Juckreiz zum Einsatz, etwa wenn die Beschwerden den Schlaf beeinträchtigen. 

 

Schutz & Vorbeugung: So meiden Sie die Brennhaare

Der wirksamste Schutz ist konsequente Expositionsvermeidung. Folgende Maßnahmen helfen:

  • Bekannte Befallsgebiete zwischen Mai und Juli möglichst meiden, insbesondere an windigen Tagen
  • Raupen niemals berühren – auch tote Tiere oder alte Gespinstnester sind gefährlich, da die Brennhaare jahrelang aktiv bleiben
  • Im Risikogebiet geschlossene, körperbedeckende Kleidung tragen: lange Ärmel, Hosen, Schuhe und ggf. eine Brille schützen exponierte Hautstellen
  • Nach möglichem Kontakt sofort duschen und Kleidung wechseln
  • Indirekte Exposition beachten: Brennhaare können auf Gartenmöbeln, Spielgeräten, Haustieren oder sogar Weihnachtsbäumen aus befallenen Regionen haften und dort noch Wochen später Reaktionen auslösen