Breiter Widerstand im Vorfeld des 106. Deutschen Ärztetags

Gesundheitspolitik

106. Deutsche Ärztetag verabschiedet eine neue Muster-Weiterbildungsordnung (MWBO)

Berlin - Was wird aus dem Speziallabor der Dermatologen? Diese Frage bewegt im Vorfeld des 106. Deutschen Ärztetages die Fachgruppe wie kaum eine andere. Gleich zu Beginn steht ab dem 20. Mai in Köln die Novellierung der Muster-Weiterbildungsordnung für die Landesärztekammern auf der Tagesordnung.

Mit dem Ergebnis der mehrjährigen Vorarbeiten ist der BVDD insgesamt sehr zufrieden, wie zuletzt noch die Delegiertenversammlung nach eingehender Beratung bestätigte. Bei den vorausgegangenen Verhandlungen mit der Bundesärztekammer konnten strittige Punkte wie die Dermahistologie und die Darstellung der ambulanten operativen Leistungen des Faches einvernehmlich geregelt werden. Bislang keine Einigung gab es in der dermatologischen Labordiagnostik.

Labordiagnostisch tätige Hautarztpraxen sehen die IgE-Serologie in der Allergologie und die Mykologie des Faches gleichermaßen bedroht. Dr. Klaus Deuchert hat sich als Delegierter des Ärztetages bereits weit im Vorfeld an den Vorsitzenden der zuständigen Weiterbildungsgremien der Bundesärztekammer, Prof. Hellmuth Koch aus München gewandt. Der Bad Kissinger Hautarzt spricht in einem Schreiben unverhohlen von „erheblichen Defiziten” und beklagt, der Umfang des Faches werde nicht vollständig abgebildet. So gehöre zu einer fachgerechten Diagnostik der einschlägigen Geschlechtskrankheiten beispielsweise zumindest die Laboruntersuchungen, bei denen Material nach der Entnahme nicht ohne weiteres transportiert werden kann. Sichergestellt werden müsse vor allem die Untersuchung des Nativmaterials und die mikrobiologisch-bakteriologische Anzüchtung und Diagnostik von Neisserien. „Die angesprochenen Fälle lassen einen sachgerechten Transport über einen längeren Zeitraum nicht zu”, schreibt Deuchert wörtlich.
Nicht minder wichtig ist ihm, dass die mykologische Diagnostik als „integraler Bestandteil des Faches” erhalten bleibt. Die Behandlung und Erkennung von Mykosen sei ohne direkten Zugriff auf die Labordiagnostik nicht denkbar und führe zu einer Verschlechterung der Versorgung.
Deuchert hat Koch aufgefordert, „dass diese Laborinhalte im Fachgebiet Haut- und Geschlechtskrankheiten in den Weiterbildungsrichtlinien Berücksichtigung finden”. Ein ähnliches Schreiben hat sein fränkischer Kollege Dr. Erich Schubert ebenfalls an Koch gerichtet. Der Präsident des BVDD wendet sich in seinem Brief gegen eine Ungleichbehandlung der Dermatologen gegenüber anderen Fachgebieten, deren Laboranteil in der neuen Musterweiterbildungsordnung ohne Abstriche erhalten geblieben ist. Unterstützung signalisierte auch DDG-Präsident Prof. Wolfram Sterry bei der DDG-Tagung in Berlin. An ihn hatte sich Dr. Gudrun Hamm mit dem Appell gewandt, gemeinsam mit dem BVDD „größtmöglichen Widerstand gegen die Novellierung dieses WBO- Entwurfs für unser Fachgebiet zu entwickeln.” Ziel muss nach den Worten der Laborreferentin des Berufsverbandes eine Überarbeitung der Musterweiterbildungsordnung noch vor der in Köln anstehenden Novellierung sein.

„In Köln wird noch nicht über die Inhalte entschieden”, betont hingegen die bei der BÄK zuständige Abteilungsleiterin Dr. Anette Güntert. Änderungen seien auch nach dem 106. Deutschen Ärztetag weiterhin möglich. Anfang Juni werde sich der BÄK-Vorstand auf einer Klausurtagung erneut mit der Musterweiterbildungsordnung befassen. Der Widerstand gegen eine Verabschiedung der Vorlage in Köln geht nach Deucherts Beobachtung weit über die Fachgruppe hinaus. Ihm liegen inzwischen ablehnende Stellungnahmen aus 18 Fachgruppen vor. „Es geht um eine Zukunftsfrage”, betont Deuchert. Zumindest darin sind sich die Gegner des Entwurfs mit der Ärztekammer schon jetzt einig. Wirksam wird die neue Musterordnung nämlich frühestens ab 2004, wenn denn die Landesärztekammern den gesteckten Rahmen zügig umsetzen. Das bedeutet aber: nach der neuen Musterweiterbildungsordnung ausgebildete Fachärzte werden nicht vor 2009 als Dermatologen tätig werden. Doch betroffen sind auch schon in der Übergangsphase bis dahin zahlreiche andere Praxen mit einem labordiagnostischen Schwerpunkt: ihre Inhaber fürchten, bei Verkauf oder Übergabe an einen Nachfolger empfindliche Einbußen hinnehmen zu müssen.