Vorsorge für den Altersfall

Praxismanagement

Vorsorge für den Todesfall?

Erben und Vererben
Wer für das Alter vorgesorgt hat, kann beruhigt alt werden. Wer für den Todesfall vorgesorgt hat, kann beruhigt noch lange leben. Diese Vorsorge für den Todesfall stellt der Justiziar des Berufsverbandes zur Diskussion, indem er zunächst die gesetzliche Erbfolge erklärt, um dann auf individuelle Regelungen durch Testament oder Erbvertrag einzugehen. Die steuerrechtliche Problematik wird zurückgestellt, da sich derzeit die Regierungsparteien noch über eine Neuregelung streiten.

Gesetzliche Erbfolge
Zuerst soll dargestellt werden, wie sich der Gesetzgeber im Bürgerlichen Gesetzbuch die Erbfolge vorgestellt hat, sofern keine abweichende Regelung getroffen worden ist.

Rangfolge der Erben
Nach dem Willen des Gesetzgebers sollen Ihre Abkömmlinge, jeweils zu gleichen Teilen, erben. Abkömmlinge sind die Kinder und Enkel. Soweit Kinder noch leben, sind deren Kinder von der Erbfolge ausgeschlossen. Ist ein Kind verstorben, dann erben dessen Kinder seinen Anteil, und wenn er keine Kinder (Enkelkinder) hat, wächst der Nachlass den anderen Kindern zu gleichen Teilen zu. Der Gesetzgeber spricht insoweit von den gesetzlichen Erben erster Ordnung.


Haben Sie keine Erben erster Ordnung, dann erben die gesetzlichen Erben zweiter Ordnung. Diese erben aber nur dann, wenn keine gesetzlichen Erben der ersten Ordnung vorhanden sind. Gesetzliche Erben der zweiten Ordnung sind Ihre Eltern und, was wichtig ist, deren Abkömmlinge, d.h. Ihre Geschwister und ggf. auch anstelle Ihrer Geschwister deren Abkömmlinge, Ihre Nichten und Neffen.
Die Geschwister sowie die Nichten und Neffen erben jedoch nur dann, wenn Ihre Eltern verstorben sind.

Sind keine gesetzlichen Erben der ersten Ordnung und der zweiten Ordnung vorhanden, dann tritt der sicherlich seltene Fall des Erbrechts der dritten Ordnung ein. Solche gesetzlichen Erben der dritten Ordnung sind Ihre Großeltern und deren Abkömmlinge, Ihre Onkel und Tanten und deren Kinder.

Erbrecht des Ehegatten
Das Erbrecht des Ehegatten richtet sich zunächst nach dem sog. Güterstand. Das Erbrecht ist unterschiedlich geregelt, wenn Sie in Gütertrennung oder dem gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft leben.
Die Gütertrennung wird durch einen notariellen Ehevertrag vereinbart. Diese Regelung gilt auch, wenn der gesetzliche Güterstand der Zugewinngemeinschaft durch Ehevertrag ausgeschlossen worden ist. Die Gütertrennung bewirkt, dass Sie und Ihr Ehepartner getrenntes Eigentum haben, sofern nicht Eigentum gemeinschaftlich angeschafft worden ist. Die Gütertrennung kann nur durch einen neuen Ehevertrag rückgängig gemacht werden.

Die allgemeinen Regeln über das Erbrecht und die Höhe des Erbanteils gelten bei der Gütertrennung nicht. Sofern Sie eine Gütertrennung vereinbart haben, erbt Ihr überlebender Ehegatte und jedes Kind zu gleichen Teilen, wenn aus der Ehe ein oder zwei gemeinsame Kinder hervorgegangen sind. Das bedeutet, dass Ihr Ehepartner dann, wenn Sie ein Kind haben, die Hälfte erbt und das Kind die andere Hälfte. Haben Sie zwei Kinder, dann erbt Ihr Ehepartner ein Drittel und jedes der beiden Kinder ein weiteres Drittel. Ab dem 3. Kind gilt dann die normale gesetzliche Regelung, dass der überlebende Ehegatten ein Viertel und die Kinder zusammen drei Viertel erben. Wichtig ist, dass dann, wenn Sie keine Kinder haben, Ihr Ehegatte nur die Hälfte erbt, wenn Erben der zweiten Ordnung oder Großeltern noch vorhanden sind. Dies wird häufig übersehen. Sofern es bei der Gütertrennung Ihr Wille ist, dass Ihr überlebender Ehegatte auch Ihr Vermögen alleine erbt, dann sollten Sie auf jeden Fall ein Testament errichten oder mit Ihrem Ehegatten einen Erbvertrag abschließen.

Obwohl im Grunde auch die Zugewinngemeinschaft eine modifizierte Gütertrennung ist, hat der Gesetzgeber die erbrechtlichen Regeln für das Erbe des überlebenden Ehegatten anders geregelt. Zunächst sieht der Gesetzgeber vor, dass Ihr überlebender Ehegatte neben Ihren Abkömmlingen, d.h. Verwandten der ersten Ordnung, ein Viertel, neben Verwandten der zweiten Ordnung oder neben Großeltern die Hälfte der Erbschaft als gesetzlicher Erbe erhält. Nur dann, wenn weder Verwandte der ersten noch der zweiten Ordnung noch Großeltern vorhanden sind, erhält Ihr überlebender Ehegatte den ganzen Nachlass.

Haben Sie keine Gütertrennung vereinbart, d.h. wenn Sie im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft leben, nimmt der Gesetzgeber einen Ausgleich vor. Dieser Zugewinnausgleich im Erbfall besteht darin, dass sich der Erbteil des überlebenden Ehegatten um ein Viertel erhöht. Die Folge davon ist, dass Ihr überlebender Ehegatte neben Ihren Abkömmlingen nicht nur ein Viertel sondern die Hälfte erbt. Haben Sie keine Abkömmlinge, dann erbt Ihr überlebender Ehegatte neben den Verwandten der zweiten Ordnung drei Viertel des Nachlasses. Auch dies wird selten beachtet!

Auch hier sollten daher Überlegungen angestellt werden, ob es nicht sinnvoll ist, diese gesetzliche Erbfolge zu Gunsten des überlebenden Ehegatten durch Testament oder Erbvertrag abzuändern.

Was gehört zum Nachlass?
Nachlass ist nicht nur Ihr aktives Vermögen sondern auch evtl. bestehende Schulden. Zum Nachlass gehören somit die von Ihnen aufgenommenen Kredite, die Ihr Erbe weiterhin abbezahlen muss, ebenso wie Rechte, Forderungen und sonstige Ansprüche.

Zum Nachlass gehört auch Ihre Praxis. Da die Übernahme der Praxis durch Ihre Erben häufig mit Schwierigkeiten verbunden sein wird, sollte dann, wenn Sie Mitglied einer Gemeinschaftspraxis oder eines MVZ sind, im Gesellschaftsvertrag die Nachfolge geregelt werden. Sind Sie in der glücklichen Lage, dass ein Kind oder Enkelkind ebenfalls Facharzt für Dermatologie ist und die Praxis übernehmen will, dann hat er im Auswahlverfahren vor dem Zulassungsausschuss erhebliche Pluspunkte, denn der Gesetzgeber hat in § 103 Abs. 4 SGB V vorgesehen, dass dann, wenn Familienangehörige die Praxis übernehmen wollen und können, diese im gesperrten Gebiet Vorrang haben.

Ist Ihre Praxisnachfolge nicht geregelt, dann können sich die Erben einer vertragsärztlichen Praxis bei der KV nach dem weiteren Vorgehen (Ausschreibung u.a.) erkundigen. Ggf. sollten Sie aber auch wegen der Wertermittlung, der Suche eines Nachfolgers, der Vertragsgestaltung usw. rechtlichen Rat bei einem Rechtsanwalt mit Fachkenntnissen einholen. Zu vielfältig sind die Probleme, wie z.B. die Überleitung des Mietvertrages auf einen Nachfolger und die Fortsetzung von Anstellungsverträgen.

Mit dem Todesfall geht der Nachlass auf den Erben über. Sollte Ihr Nachlass bedauerlicherweise überschuldet sein, dann kann der Erbe innerhalb von 6 Wochen, nachdem er von dem Anfall der Erbschaft Kenntnis erlangt hat, das Erbe ausschlagen. Die Ausschlagung erfolgt gegenüber dem Nachlassgericht oder vor dem Notar in öffentlich beglaubigter Form. Schlägt ein Erbe aus, dann geht der Nachlass auf die nächst berufenen Erben über. Das Ausschlagen kann nicht nur im Falle der Überschuldung sinnvoll sein, sondern auch dann, wenn (z.B. aus steuerrechtlichen Gründen) der Übergang der Erbschaft auf die nächste Generation, d.h. die Abkömmlinge, gewünscht wird. Auch insoweit sollte man sich beraten lassen.

 

Beispiele für die gesetzliche Erbfolge

Haben Sie das gewollt?
- Gehen wir davon aus, dass die Immobilie, in welcher sich Ihre Praxis befindet und evtl. sogar das Haus, in welchem der Schwerpunkt Ihrer Familie war, auf Sie alleine eingetragen ist. Versterben Sie und hinterlassen Ihren Ehepartner sowie zwei Kinder, dann erbt bei der Gütertrennung Ihr Ehepartner ein Drittel und im Falle der Zugewinngemeinschaft die Hälfte neben den miterbenden Kindern. Will der überlebende Ehegatte die Immobilie verkaufen, vor allem die Praxisimmobilie im Zusammenhang mit der Übergabe der Praxis an einen Praxisnachfolger, dann ist dies nur mit Zustimmung der Kinder möglich. Wenn Sie diese Abhängigkeit Ihres Ehepartners von den Kindern nicht wünschen, dann sollten Sie eine testamentarische Verfügung treffen.

- Haben Sie keine Kinder und hat Ihr Ehepartner aus einer früheren Beziehung ein oder zwei Kinder mit in die Ehe gebracht, dann erben Sie bei dessen Tod die Hälfte, während er bei Ihrem Tod Ihren gesamten Nachlass erbt. Bei Ihrem Tod haben die Kinder auch keinen Pflichtteilsanspruch, weil sie nicht Ihre Abkömmlinge sind. Wollen Sie diesen Kindern, obwohl sie nicht mit Ihnen verwandt sind, die Ihnen aber über Jahre ans Herz gewachsen sind, auch etwas zuwenden, dann bedarf dies einer testamentarischen Regelung, wobei zukünftig die steuerlichen Belastungen berücksichtigt werden müssen. Hier kann dann sogar bei außerordentlich unterschiedlichen Freibeträgen eine Adoption sinnvoll sein.

- Haben Sie und Ihr Ehepartner jeweils ein Kind in die gemeinsame Ehe eingebracht, ohne gegenseitige Adoption des Kindes des anderen, erbt Ihr Ehepartner neben Ihrem Kind bei der Zugewinngemeinschaft jeweils die Hälfte. Beim späteren Tode des Ehepartners ist dann Ihr Kind nicht mehr erbberechtigt sondern nur noch das Kind des Ehepartners. Wollen Sie vermeiden, dass Ihr Vermögen für den Fall des Todes Ihres Ehepartners unter Ausschluss Ihres Kindes ausschließlich dem Kind Ihres Ehepartners zukommt, müssen Sie dies testamentarisch regeln. Wären nämlich die beiden Kinder gemeinsame eheliche Kinder, dann müssten sie beim Tode des Längstlebenden dessen Nachlass hälftig teilen.

- Leben Sie in kinderloser Ehe und versterben, dann erhält nach der gesetzlichen Regelung nicht etwa Ihr Ehepartner Ihren Gesamtnachlass. Der Ehepartner ist viel-mehr neben Ihren Eltern sowohl bei der Gütertrennung als auch bei der Zugewinn-gemeinschaft nur jeweils hälftig am Nachlass beteiligt! Dies vor allem auch dann, wenn sich Ihr Vermögen während Ihrer Ehe mit Hilfe Ihres Ehepartners gebildet hat. Dies wird allgemein als ungerecht empfunden und sollte zu einer testamentarischen Verfügung führen.

Gewillkürte Erbfolge
Wollen Sie von der dargestellten Erbfolge, wie sie der Gesetzgeber vorgesehen hat, abweichen,dann können Sie durch Testament oder Erbvertrag eine abweichende Regelung treffen.

Der Erbvertrag, der bspw. mit Ihrem Ehepartner abgeschlossen wird, bedarf der notariellen Form. Dieser notarielle Erbvertrag dient dann auch zugleich als Erbschein. Die Umschreibung Ihres Immobilienvermögens auf den durch den Erbvertrag eingesetzten Erben kann dann auch ohne Erbschein erfolgen. Die nachfolgenden Ausführungen für das Testament gelten entsprechend für den Erbvertrag.

Für das Testament gibt es verschiedene Formvorschriften.

Ein Testament kann vor dem Notar errichtet werden. Ein solches Testament ersetzt, wie der Erbvertrag, den Erbschein. Dieses öffentliche Testament kann durch Rücknahme aus der amtlichen Verwahrung oder aber durch ein neues Testament widerrufen werden. Das einfacher, bequemer und ohne Kosten zu errichtende eigenhändige oder privatschriftliche Testament ist die übliche letztwillige Verfügung. Dieses Testament muss eigenhändig geschrieben und unterschrieben werden. Es soll mit dem Datum der Errichtung versehen werden. Bitte beachten Sie daher, dass der häufig begangene Fehler, dass ein solches Testament mit der Maschine geschrieben und lediglich handschriftlich unterzeichnet wird, zur Nichtigkeit der letztwilligen Verfügung führt. Ein solches Testament kann von Ihnen im häuslichen Schreibtisch verwahrt werden. Sollten Sie es in Ihrem Banksafe hinterlegt haben, dann müssen Sie dafür Sorge tragen, dass der Banksafe auch nach Ihrem Tode geöffnet werden kann, denn häufig verlangt die Bank den Erbennachweis, der sich dann aber sicher verschlossen im Safe befindet.

Nach Ihrem Tode ist das Testament beim Nachlassgericht (Notariat) abzugeben, wo auch die amtliche Eröffnung erfolgt. Die Erben werden benachrichtigt. Von diesem Zeitpunkt der Kenntnis der Erbenstellung an läuft die Frist für eine evtl. Ausschlagung.

Eine besondere Form hat das Ehegattentestament. Ein solches Testament kann von Verlobten, Ehegatten und auch solchen Personen verfasst werden, die in einer eingetragenen Partnerschaft leben. Der Güterstand, d.h. die Frage, ob Gütertrennung vereinbart wurde oder aber die gesetzliche Erbfolge der Zugewinngemeinschaft besteht, ist hierbei ohne Bedeutung.
Ein solches Ehegattentestament, häufig in der Form eines sog. "Berliner Testamentes" (vgl. unten) wird von einem Ehepartner handschriftlich abgefasst und von beiden mit Datum und Unterschrift versehen.

In einem solchen Ehegattentestament kann ggf. jeder individuelle Verfügungen treffen oder aber es werden wechselbezügliche, gegenseitige Regelungen vorgesehen, wie z.B. die gegenseitige Einsetzung als Alleinerbe. Es sind aber auch einseitige Verfügungen möglich, wie z.B. das Vermächtnis, wonach Sie Ihre dermatologische Praxis einem Ihrer Kinder, das hierzu die Voraussetzungen erfüllt, vermachen wollen.

Was bleibt ist der Pflichtteil
Sie können mit einem Testament viele Verfügungen treffen. Nicht möglich ist es jedoch in aller Regel, Abkömmlinge, Eltern und Ihren Ehepartner oder auch den eingetragenen Lebenspartner ganz von der Erbfolge auszuschließen. Eine solche Enterbung ist auf seltene Fälle beschränkt.

Wird aber ein Abkömmling, gleichgültig ob ehelich, nicht ehelich oder angenommen, ein noch lebender Elternteil oder Ihr Ehegatte durch eine testamentarische Verfügung von der Erbfolge ausgeschlossen oder auf einen wesentlich geringeren Teil als den Erbteil eingesetzt, dann hat dieser einen Pflichtteilsanspruch. Dieser ist ein Geldanspruch. Dieser Pflichtteilsanspruch besteht in der Hälfte des Wertes des gesetzlichen Erbteils. Was der gesetzliche Erbteil ist, wurde bereits zu Beginn dargestellt. Für die Berechnung des Pflichtteils ist der Bestand und der Wert des Nachlasses zum Zeitpunkt des Erbfalles entscheidend. Der Pflichtteilsberechtigte kann von dem Erben Auskunft über den Bestand des Nachlasses verlangen. Der Erbe hat dann ein Nachlassverzeichnis anzufertigen, in welches alle Aktiva und Passiva aufgenommen werden. Der Pflichtteilsanspruch verjährt in drei Jahren von dem Zeitpunkt an, in welchem der Pflichtteilsberechtigte davon erfahren hat, dass der Erbfall eingetreten ist und er von der Erbfolge ausgeschlossen wurde. Schwierigkeiten kann es bereiten, wenn entweder der Erbe oder der Pflichtteilsberechtigte zu seinen Lebzeiten bereits Zuwendungen erhalten hat, die ggf. auf den Pflichtteil anzurechnen sind. Wenn die sofortige Erfüllung des gesamten Anspruchs des Pflichtteilsberechtigten den Erben ungewöhnlich hart treffen würde, insbesondere wenn diese Geltendmachung ihn zur Aufgabe seiner Familienwohnung oder zur Veräußerung eines Wirtschaftsgutes zwingen würde, das für den Erben und seine Familie die wirtschaftliche Lebensgrundlage bildet, so kann der Erbe eine Stundung verlangen. Dabei sind die beiderseitigen Interessen abzuwägen. Da es sich aber nur um eine Stundung und nicht um einen Ausschluss des Anspruches handelt, ist eine testamentarische Regelung (vgl. unten) zu empfehlen.

Inhalte eines Testamentes 
Der wichtigste Inhalt eines Testamentes ist sicherlich die Erbeinsetzung. Beim gegenseitigen, d.h. Ehegattentestament werden Sie und Ihr Ehegatte sich sicherlich gegenseitig als Erbe einsetzen. Dies kann dann mit dem Satz erfolgen :

"Wir setzen uns gegenseitig zum Alleinerben ein."

- Haben sie Abkömmlinge, dann kann als nächstes vorgesehen werden, dass dann, wenn auch Ihr Ehepartner verstorben ist, die gemeinsamen Kinder Erben sein sollen (Berliner Testament). Hier kann schon eine individuelle Gestaltung einsetzen und zwar, indem z.B. ein Kind, das bereits zu Lebzeiten erhebliche Zuwendungen erhalten hat oder aber ein Kind, das sich in besonderem Maße um seine Eltern gekümmert hat, anders bedacht wird, als andere Kinder. Gewöhnlich wird aber auch hier der Satz lauten :

"Nach dem Tode Längstlebenden setzen wir unsere gemeinsamen Kinder zu gleichen Teilen zu Erben ein."

- Ist beispielsweise zu erwarten, dass Ihr überlebender Ehegatte von einem Ihrer Kinder eine besondere Zuwendung erhält, dann sollte hier vorgesehen werden, dass der überlebende Ehegatte berechtigt ist, abweichend zu verfügen, dass die Kinder nicht zu gleichen Teilen bedacht werden.

- Häufig wird zu erwarten sein, dass der überlebende Ehegatte dann, wenn z.B. Kinder den Pflichtteil verlangen, in finanzielle Schwierigkeiten gerät. Dies auch bei einer Stundung. Dann empfiehlt sich die sog. "Strafklausel", wonach verfügt wird, dass dann, wenn eines der Kinder bei dem Tode des zuerst Versterbenden den Pflichtteil verlangt, auch beim Tode des Letztversterbenden den Pflichtteil erhalten soll. Haben Sie bspw. zwei gemeinsame Kinder, dann würde sich im Falle des gesetzlichen Güterstandes der Zugewinngemeinschaft der Pflichtteilsanspruch des Kindes beim Tode des zuerst Versterbenden auf ein Achtel des Vermögens des versterbenden Ehepartners belaufen, beim Tode des zuletzt versterbenden Ehepartners beläuft sich der Pflichtteilsanspruch statt auf die Hälfte lediglich auf ein Viertel vom gesamten ehelichen Vermögen. Diese Regelung, verbunden mit evtl. familiären Gefühlen, hat bisher fast immer dazu geführt, dass beim Tode des zuerst Versterbenden der Abkömmling keinen Pflichtteilsanspruch geltend macht.
Hier ist zu ergänzen, dass dann, wenn der überlebende Ehegatte nicht auf den gesamten Nachlass angewiesen ist, er trotzdem aus steuerlichen Gründen den Kindern "als Pflichtteil" im Rahmen des Freibetrages etwas zuwenden kann, wobei darauf zu achten ist, dass es sich um eine freiwillige Auszahlung handelt und der Pflichtteilsanspruch von dem Abkömmling nicht etwas geltend gemacht worden ist. Dadurch kann sich bei dem Erben die Erbschaftssteuer wesentlich reduzieren.

- Probleme können sich ergeben, wenn sich der überlebende Ehegatte wieder verheiratet. Der neue Ehegatte hat dann einen Pflichtteilsanspruch mit der Folge, dass die Verfügungen in dem gemeinsamen Testament hinfällig werden. Aus diesem Grunde sollte Vorsorge getroffen werden, dass Kinder, die keinen Pflichtteilsanspruch geltend gemacht haben und somit evtl. vom gesamten Nachlass beim Tode des Erstversterbenden ausgeschlossen waren, etwas erhalten und zwar entweder in Höhe des sonst bestehenden Pflichtteils- oder Erbrechtsanspruchs.

- In einem Testament können auch sog. "Vermächtnisse" ausgesetzt werden. Vermächtnisse sind Zuwendungen an Erben oder auch Dritte außerhalb der gewöhnlichen Erbfolge. Es sollte dann aber auch festgelegt werden, ob dann, wenn der Vermächtnisnehmer Erbe oder Pflichtteilsberechtigter ist, das Vermächtnis hierauf angerechnet werden soll. Ein solches Vermächtnis wäre, wie oben ausgeführt, die Überschreibung der Facharztpraxis auf einen Abkömmling oder einen Dritten, der hierzu die Voraussetzungen erfüllt.

- In ein Testament können auch Auflagen aufgenommen werden. So z.B. zur Grabpflege oder aber auch, dass Geldbeträge an bestimmte Personen ausgeschüttet werden sollen.

- Eine besondere Form einer testamentarischen Verfügung ist die Einsetzung eines Vorerben sowie eines Nacherben. Wollen Sie erreichen, dass Ihr Nachlass bei Ihrem Todesfall zunächst auf eine bestimmte Person, bspw. Ihre Ehefrau, übergeht, dann aber, zu einem beschriebenen Zeitpunkt wie z.B. dem Tode dieses Vorerben oder aber bei dessen Wiederverheiratung auf bestimmte Nacherben, z.B. die Kinder, übergehen soll, dann können Sie das Institut der Nacherbfolge wählen. Es handelt sich dabei um die zeitliche Aufeinanderfolge verschiedener Erben desselben Erblassers und führt dazu, dass der Nachlass zunächst in der Hand des Vorerben ein rechtlich getrenntes Sondervermögen bildet. Nach einer bestimmten Zeit, die genau festgelegt wird, geht dann dieser Nachlass auf den Nacherben über. Ist ein solcher Zeitpunkt nicht bestimmt, dann muss man davon ausgehen, dass beim Tode des Vorerben der Nacherbfall eintritt.
Der Vorerbe kann zwar grundsätzlich über die zur Erbschaft gehörenden Gegenstände verfügen, er ist aber z.B. bei der Verfügung über Grundstücke oder Grundstücksrechte (Hypotheken, Grundschulden, Verkauf u.a.) beschränkt. Er kann außerdem nur dann Erbschaftsgegenstände verschenken, sofern dies einer sittlichen Pflicht entspricht. Gerade diese Einschränkungen führen dazu, dass von der Einsetzung eines Nacherben selten Gebrauch gemacht wird. Gehört bspw. zum Nachlass das gemeinsam mit dem Ehepartner bewohnte Haus, dann kann der Ehepartner, sofern er sich bspw. in ein Alters- oder Pflegeheim zurückziehen will, über dieses Haus ohne die Zustimmung der Nacherben nicht verfügen. Dies gilt auch über sonstiges Immobilienvermögen, über welches der Vorerbe z.B. aus Finanzierungsgründen verfügen will. Auch wenn Sie überzeugt sind, dass Ihre Kinder dem Wunsch der Eltern folgen und einer Veräußerung zustimmen, so können Sie die zukünftige Entwicklung, vor allem auch dann, wenn Schwiegerkinder hinzu kommen, sicherlich nicht abschließend beurteilen. Die durch die Nacherbschaft aufgezwungene Beschränkung in der Verfügbarkeit über Immobilienvermögen hat zur Folge, dass die Nacherbschaft selten ist.

- Wer zukünftig Auseinandersetzungen unter den Erben möglichst vermeiden will, kann einen Testamentsvollstrecker einsetzen. Als Testamentsvollstrecker geeignet sind wirtschaftlich oder juristisch erfahrene Personen. Der Testamentsvollstrecker sollte auf Zeit eingesetzt werden und zwar bspw. bis die als Erben eingesetzten Kinder ein bestimmtes Alter erreicht haben. Die Einsetzung eines Testamentsvollstrecker empfiehlt sich auch, wenn man den überlebenden Ehegatten von Auseinandersetzungen mit den Abkömmlingen befreien will und vor allem auch dann, wenn zu befürchten ist, dass die Erben nach dem überlebenden Ehegatten, ebenfalls unter Berücksichtigung der Schwiegerkinder, zu Auseinandersetzungen neigen. Insoweit machen sich die Kosten des Testamentsvollstreckers in aller Regel auch bezahlt.

  

Was ist mit der Erbschaftssteuer?
Häufig werden testamentarische Verfügungen nur unter dem Gesichtspunkt der Steuerbelastung getroffen. Zwar kann es in Einzelfällen sinnvoll sein, im Hinblick auf die Steuerbelastung bestimmte Verfügungen zu treffen, doch wird in aller Regel davon abzuraten sein.

Was dann gelten soll, wenn das neue derzeit in Diskussion befindliche Steuerrecht mit erheblichen Unterschieden bei den Freibeträgen zum Gesetz wird, muss abgewartet werden. Dieser Artikel wird dann entsprechend ergänzt werden.

RA Dr. Gerd Krieger, Nov. 2008