Tattoo-Entfernung durch Laser

Praxismanagement

Ist die Tattoo-Entfernung durch Laser eine dem Arzt vorbehaltene Behandlung?

Vermehrt werben nichtärztliche Einrichtungen damit, dass sie unliebsame Tattoos mit Laser entfernen. Es stellt sich daher die Frage, ob der Einsatz eines Lasergerätes nur Ärzten vorbehalten ist. Die nachfolgende rechtliche Untersuchung wird vor allem unter zwei Aspekten durchgeführt und zwar zunächst der Gesundheitspolitik und dann unter Berücksichtigung eventuell strafrechtlich relevanten Verhaltens.

I. Gesundheitspolitik

1. Rechtliche Grundlagen

Im Interesse der Gesundheit der Bevölkerung hat der Gesetzgeber vorgesehen, dass bestimmte mit gesundheitlichen Gefährdungen verbundene Behandlungen, die ärztliche Fachkenntnisse voraussetzen, nur durch Ärzte oder entsprechend ausgebildete Heilpraktiker durchgeführt werden dürfen.

Nach § 1 Abs. 2 Heilpraktikergesetz (HPG) ist es Laien untersagt Heilkunde auszuüben. Heilkunde ist dabei jede "berufs-, oder gewerbsmäßig vorgenommene Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Krankheiten, Leiden oder Körperschäden bei Menschen". Eine Ausübung der Heilkunde findet immer dann statt, wenn das Ziel, die Art oder die Methode der auszuübenden Tätigkeit dann, wenn sie ohne Fachkenntnisse ausgeführt wird, dem Patienten schaden kann oder wenn die Feststellung, ob im Einzelfall mit der Behandlung begonnen werden darf, im Rahmen einer ordnungsgemäßen Diagnose medizinische Fachkenntnisse erforderlich sind.

Medizinische Kenntnisse sind zunächst allem bei der Diagnose erforderlich. Bei Hautveränderungen oder Hauterkrankungen ist grundsätzlich eine Differenzialgiagnose anzustellen, um eventuelle Krankheitsbilder richtig zu erfassen und sie der ordnungsgemäßen Behandlung zuführen zu können. Die Deutsche Rechtssprechung hat hierzu sogar festgestellt, dass es nicht alleine ausreicht approbierter Arzt zu sein, um die ordnungsgemäße Diagnose stellen zu können sondern dass auch hier die Fachgebietsgrenzen einzuhalten sind. Nur speziell ausgebildete Ärzte sind in der Lage die ihrem Fachgebiet zuzurechnende Diagnose zu stellen.

Neben den medizinischen Kenntnissen im Bereich der Diagnose ist auch meist eine besondere Fachkenntnis bei der Auswahl der richtigen Therapie erforderlich. Die Heilbehandlung als eine Behandlung an einem Krankheitsbild setzt daher medizinische Fachkenntnisse voraus (Krieger, Der Deutsche Dermatologe, Heft 9/2001, Seite 612 ff.).

2. Einsatz von Laser

Die Deutsche Strahlenschutzkommission fordert gesetzliche Regelungen, die sicherstellen sollen, dass die Laseranwendung auf die menschliche Haut ausschließlich durch einen speziell dafür ausgebildeten Arzt erfolgt, denn nur er kann die Indikation zur Laseranwendung an der menschlichen Haut stellen. Nur er hat die Möglichkeit zur weiteren Abklärung und Diagnostik. Hierfür waren folgende Überlegungen entscheidend:

Schon seit Jahren werden unterschiedliche Lasersysteme eingesetzt, um Veränderungen in der Haut zu behandeln. Dahinter steht die Vorstellung, dass das Laserlicht ins Gewebe eindringt und dort selektiv in den Blutgefäßen durch Hämoglobin absorbiert wird. Die Energie des absorbierten Lichts wird in Hitze umgewandelt, wodurch die störenden Blutgefäße aufgeheizt und thermisch zerstört werden. Schwierigkeiten können sich bei der Eindringtiefe des Lichts ins Gewebe ergeben. Auch ist zuvor die auf den Patienten angepasste Induvidualdosis zu ermitteln. Es sollte daher vor jeder Therapiesitzung eine einfache Dosisbestimmung im entsprechenden Hautareal vorgenommen werden. Die häufigsten Komplikationen bei der Anwendung von Laser - und auch IPL-Systemen - sind die Hyper- und Hypopigmentierung sowie Verbrennung durch starke Erhitzung der Epidermis mit Rötung, Krusten- und Blasenbildung bis zu verbleibenden Narben.

Der Einsatz eines Lasers erfordert aber nicht nur eine ordnungsgemäße fachgerechte ärztliche Therapie, sondern vor allem auch eine fachkundige Diagnose. Wird bspw. ein Laser eingesetzt, ohne dass zuvor genau diagnostisch ermittelt worden ist, ob und ggf. welches Krankheitsbild vorliegt und welche Behandlung daher erforderlich ist, kann der fehlerhafte Einsatz eines Lasergerätes zu erheblichen Folgeschäden führen.

Bezeichnend ist, dass Ärzte in ihrer Praxis die Diagnose persönlich erbringen müssen und dass auch der Einsatz des Lasergerätes nicht an nichtärztliche Mitarbeiter delegiert werden darf (Gerst DÄ Heft 41/2008, S. C1791 u. Bekanntmachungen der GÄK und KBV in DÄ Heft 41 S. C1817 ff.). Wenn selbst entsprechend qualifizierte und auch ärztlich überwachte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der ärztlichen Praxis von der Anwendung eines Laser ausgeschlossen sind, um wieviel mehr gilt dies für medizinische Laien!

3. Einsatz von Laser zur Tattooentfernung

Tattoos stellen gezielt vorgenommene Hautveränderungen in unterschiedlicher Hauttiefe dar. Zur Entfernung eines Tattoos kann ein Laser eingesetzt werden. Tätowierungspigmete werden zersprengt.

Wird ein Laser zur Tattooentfernung eingesetzt, dann reicht es nicht aus, dass nur festgestellt wird, dass ein Tattoo vorhanden ist und durch Laserstrahlen entfernt werden soll, sondern in den Tattoos können sich bösartige Hautveränderungen befinden, wie z. B. Melanome. Differenzialdiagnostisch nicht erfasste bösartige Hautveränderungen können sich unter der Laserbehandlung negativ entwickeln und ggf. sogar zu Metastasen führen. Unabhängig davon kann ein nicht diagnostisch vorbereiteter Lasereingriff zu der Verschleppung einer Melanomdiagnose führen.

Weitere Risiken können dadurch entstehen, dass durch die Zersprengung der Tätowierungspigmente und deren Abtrangsport durch die Lymphwege sich die Tätowierungspigmente in die Lymphknoten verteilen.

Hinzu kommen die bereits oben beschriebenen, beim Einsatz von Laserstrahlen grundsätzlich bestehenden Risiken.

Gerade auch bei der Tattooentfernung setzt somit der Einsatz von Laser fachärztliche Kenntnisse voraus und zwar sowohl bei der Diagnose als auch der Therapie.


II. Rechtsfolgen

1. Strafrechtliche Gesichtspunkte

Grundsätzlich stellt in Deutschland jede Behandlung, welche in die körperliche Integrität eingreift, eine Körperverletzung dar. Somit ist auch der Einsatz eines Lasers zur Entfernung eines Tattoos eine Körperverletzung. Auch bei der Entfernung eines Tattoos wird, was der Sinn der Laseranwendung ist, eine körperliche Veränderung herbeigeführt.

Eine solche Körperverletzung wird dann gerechtfertigt, wenn die Behandlung mit der Zustimmung des Patienten erfolgt. Diese Zustimmung setzt aber voraus, dass der Patient über alle Risiken ordnungsgemäß und umfassend aufgeklärt wird. Will ein Laie unter Einsatz eines Lasers eine Tattooentfernung durchführen, dann hat er darüber aufzuklären, dass es sich im Grunde um eine Ärzten vorbehaltene Behandlung handelt und dass er nach der Rechtslage nicht berechtigt ist diese Behandlung durchzuführen. Neben diesem Hinweis muss auf die bereits dargestellten Risiken eines Lasereinsatzes hingewiesen werden. Erfolgt diese Aufklärung nicht, dann bleibt der Eingriff in den Körper durch Laserstrahlen eine rechtswidrige Körperverletzung und der Anwender macht sich strafbar. Dies unabhängig davon, ob bei der Laseranwendung Komplikationen auftreten oder nicht. Alleine die durch nicht ordnungsgemäße Aufklärung fehlende umfassende Einwilligung des Patienten macht den Eingriff strafbar.

2. Verwaltungsverfahren

Das Gewerbeaufsichtsamt und das Gesundheitsamt sind dafür zuständig, dass überwacht wird, dass niemand die Heilkunde ausübt, ohne dazu berechtigt zu sein. Bei Verstößen können die Behörden daher verfügen, dass die Ausübung der Heilkunde untersagt wird. Außerdem kann im Wege des Verwaltungsverfahrens ein Bußgeld verhängt werden.

 

RA Dr. Gerd Krieger, 22.10.2008