Praxisteam als Erfolgsfaktor

Praxismanagement

Gutes Personal ist rar, aber unersetzlich 

Je nach Fachgruppe, Praxisbesonderheiten und Standort liegen die Personalkosten einer Arztpraxis zwischen 20 und 30 Prozent vom Umsatz. Im ersten Moment erscheint dieser Anteil sehr hoch. Doch das dahinterstehende Personal ist wichtig für einen nachhaltigen Erfolg des Unternehmens.

In einem funktionierenden Praxisteam stehen sich Arzt und Mitarbeiterinnen auf Augenhöhe partnerschaftlich gegenüber. Gemeinsam sichern sie den Praxiserfolg. Daher muss jede einzelne Mitarbeiterin zur Praxis passen - fachlich wie auch emotional. Ihr muss klar sein, wo ihr Platz innerhalb der Praxis ist.

Beschreibung des Arbeitsplatzes
Besonders in größeren Praxen bietet es sich an, jeden Arbeitsplatz genau zu beschreiben. So werden Doppelarbeiten und Kompetenzgerangel vermieden, Arbeitsqualität, Engagement und Motivation dagegen gesteigert. Auch ist eine gerechtere Beurteilung der Mitarbeiterinnen gewährleistet und eine gezielte Aus-und Weiterbildung möglich.
In der Arbeitsplatzbeschreibung werden schriftlich Aufgabeninhalte und mit dem Arbeitsplatz verbundene Befugnisse und Verantwortungen detailliert dargestellt. Die Gliederung einer solchen Arbeitsplatzbeschreibung könnte wie folgt aussehen:
• Arbeitplatzbezeichnung
• Zweck des Arbeitsplatzes
• Unterstellungsverhältnis/ Überstellungsverhältnis
• Aufgaben und Verantwortung
• Befugnisse

 

Eine Arbeitsplatzbeschreibung darf niemals statisch sein, sondern muss laufend aktualisiert werden. Jede Mitarbeiterin ist für die Überwachung der Aktualisierung ihres eigenen Arbeitsplatzes mitverantwortlich. 
Zufriedenheit am Arbeitsplatz setzt sich jedoch nicht nur aus emotionalen Bestandteilen zusammen. Vielmehr muss auch der finanzielle Anreiz gegeben sein. Es ist immer zu bedenken, dass wirklich gutes Personal nicht uneingeschränkt zur Verfügung steht - im Gegenteil. 

 

Angemessene Vergütung
Als Richtgröße für die Festsetzung der Vergütung kann der jeweils gültige Gehaltstarifvertrag für Medizinische Fachangestellte mit den nicht gerade üppigen Bezügen zu Grunde gelegt werden. So gibt es nicht wenige Praxen, die ihren Mitarbeiterinnen mehr als das ihnen nach dem Tarifvertrag zustehende Gehalt zahlen. Wie bereits gesagt: Gutes Personal ist rar!
Der noch bis zum 31.12.2010 gültige Gehaltstarifvertrag sieht für eine gerade ausgelernte Mitarbeiterin ein Bruttogehalt von 1.424 Euro vor (1. bis 3. Berufsjahr; Tätigkeitsgruppe I). Das höchste nach dem Gehaltstarif zu erzielende Bruttogehalt beläuft sich auf 2.557 Euro (ab dem 30. Berufsjahr; Tätigkeitsgruppe IV). Will der Arbeitgeber seine tatsächlichen Kosten ermitteln, so muss er noch auf das Bruttogehalt rund 25 Prozent aufschlagen - und zwar für den Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung, die Umlagebeiträge und für den Beitrag für die Berufsgenossenschaft. Die derzeitigen Beitragssätze in der Sozialversicherung entnehmen Sie bitte dem Kasten.
Sollten zum vereinbarten Gehalt eventuell noch Weihnachts- oder Urlaubsgeld oder andere Sonderzahlungen geleistet werden, unterliegen diese Beträge immer der Sozialversicherungs- und Lohnsteuerpflicht.
Eine Ausnahme bilden sogenannte steuerbegünstigte Zuwendungen, für die entweder keine Lohnsteuer oder nur pauschale Lohnsteuer an das Finanzamt zu entrichten ist. Darüber hinaus sind solche Zuwendungen sozialversicherungsfrei. Daher können sie sowohl für den Arbeitgeber wie auch für den Arbeitnehmer interessant sein. Beispiele sind:


• Fahrtkostenerstattungen
• Erstattung von Berufskleidung und Kassenfehlgeld
• Erholungsbeihilfen
• Erstattung von Kindergartenbeiträgen und Fortbildungskosten

 

 

Neue Auszubildende

In vielen Praxen werden zum 01.08. wieder neue Auszubildende eingestellt. Der Beruf der Medizinischen Fachangestellten ist ein anerkannter Ausbildungsberuf mit einer dreijährigen Ausbildungszeit. Dem Berufsbildungsgesetz, einem Bundesgesetz aus dem Jahre 1969 mit vielen zwischenzeitlichen Anpassungen, sind dabei die Grundregeln für alle Ausbildungsverhältnisse zu entnehmen.
So ist zum Beispiel im § 14 des Berufsbildungsgesetzes festgelegt, dass der Ausbilder dafür zu sorgen hat, „dass den Auszubildenden die berufliche Handlungsfähigkeit vermittelt wird, die zum Erreichen des Ausbildungszieles erforderlich ist und die Berufsaubildung in einer durch ihren Zweck gebotenen Form planmäßig, zeitlich und sachlich gegliedert so durchzuführen ist, dass das Ausbildungszie) in der vorgesehenen Ausbildungszeit erreicht werden kann".
Das Berufsbildungsgesetz schreibt also fest, das der Ausbildende selbst ausbildet oder einen Ausbilder ausdrücklich mit der Ausbildung zu beauftragen hat. Zweck dieser Vorschrift ist es sicherzustellen, dass eine Person vorhanden ist, die die Rechte und Pflichten in Bezug auf die Ausbildung des Auszubildenden übernimmt. Übrigens: Nach dem neuen Gehaltstarifvertrag beläuft sich die Ausbildungsvergütung auf folgende monatliche Beträge:

 

• Im 1. Jahr monatlich 531 Euro
• Im 2. Jahr monatlich 572 Euro
• Im 3. Jahr monatlich 616 Euro

Der Einsatz von 400-Euro-Mitarbeiterinnen
Anstatt Voll- oder Teilzeitmitarbeiterinnen werden in manchen Praxen verstärkt geringfügig beschäftigte Mitarbeiterinnen eingesetzt. Für den Arbeitgeber kann es aus rein betriebswirtschaftlicher Sicht Vorteile geben, da nur Pauschalabgaben anfallen. Die Arbeitnehmerin erhält bis zu einem Monatsverdienst von 400 Euro eine 100-prozentige Auszahlung. Neben diesen rein finanziellen Betrachtungen müssen jedoch vor allen Dingen auch Überlegungen zum täglichen Praxisablauf angestellt werden, um letztendlich zu entscheiden, ob der verstärke Einsatz von geringfügig beschäftigten Mitarbeiterinnen sinnvoll ist.
Minijobber können vielleicht genau in den Praxisstoßzeiten eingesetzt werden, ansonsten sehen Patienten es lieber, dass sie beim Besuch der Praxis „ihre" Medizinische Fachangestellte antreffen. Ständig neue Gesichter können eher verunsichern.

Fazit:
Die Chemie innerhalb des Praxisteams muss stimmen. Dazu muss jede Mitarbeiterin richtig eingesetzt werden und hochmotiviert sein. Nur dann ist die Praxis auf Dauer für den Patienten attraktiv. Gleichzeitig wird der Praxiserfolg gesichert!

GÜLTIGE SOZIALVERSICHERUNGSBEITRÄGE 2010
Arbeitgeber und Arbeitnehmer zahlen grundsätzlich jeweils zur Hälfte die Beiträge zur Sozialversicherung. Im Einzelnen handelt es sich dabei um die folgenden Beiträge: 
 

Gesetzliche Rentenversicherung19,90%Soziale Pflegeversicherung1,70%Soziale Pflegeversicherung, Kinderlose1,95%Bundesanstalt für Arbeit2,80 %Gesetzliche Krankenversicherung14,00%



Mitglieder von gesetzlichen Krankenkassen müssen im Zusammenhang mit der Finanzierung von Zahnersatz und Krankengeld seit dem Ol .07.2005 einen zusätzlichen Beitrag von 0,9 Prozentpunkten zahlen, sodass sich der Beitragssatz für diese Arbeitnehmer auf 7,0 plus 0,9 = 7,9 Prozent beläuft. 

Josef Zdarta

nilaplan Unternehmensberatung für Heilberufe GmbH

 

Quelle: Wirtschaftsmagazin für den Hautarzt, 5-6/2010