Praxisgewinn und Steuern

Praxismanagement

Spätestens wenn sich im Herbst die Regale in den Supermärkten mit Weihnachtsgebäck und Nikoläusen füllen, weiß jeder, das Jahresende ist nicht mehr fern. Für jeden niedergelassenen Arzt ist dies ein geeigneter Zeitpunkt sich einen Überblick hinsichtlich des voraussichtlichen Praxisergebnisses für das laufende Jahr zu verschaffen. Die Kernfrage dabei: Wie hoch wird der vorläufige Praxisgewinn sein und wie hoch sind die zu erwartenden Steuerzahlungen? Um unangenehme Überraschungen zu vermeiden, ist eine vorausschauende Planung hilfreich.

Leider gibt es immer noch eine große Anzahl niedergelassener Ärzte, die ihre Buchführung und die damit verbundenen steuerlichen Maßnahmen erst zu einem Zeitpunkt erstellen beziehungsweise fertig stellen lassen, wenn eine Gestaltung und Einflussnahme nicht mehr oder nur noch eingeschränkt möglich ist.
Der 31.12. eines jeden Jahres ist der Termin, an dem mehr oder weniger feststeht, wie sich das wirtschaftliche Ergebnis des abgelaufenen Jahres darstellt und wie hoch die steuerliche Belastung sein wird.
Doch wenn die Silvesterparty steigt und das alte Jahr verabschiedet wird, besteht in der Regel keine Möglichkeit mehr, den Praxisgewinn und damit auch die Höhe der zu entrichtenden Steuern zu beeinflussen. Außerdem wird durch die späte Erkenntnis über eine mögliche Steuernachzahlung viel Zeit für eine rechtzeitige Rücklagenbildung verschenkt.

Die Ergebnis-Hochrechnung
Die Grundlagen für eine realistische Planung, wie sie eine Hochrechnung auf das Jahresende darstellt, sind die Zahlen aus der Buchhaltung zum 30. September des laufenden Jahres. Das heißt, dass die Betriebs-wirtschaftliche Auswertung per 30.09. vorliegen muss, damit eine ernst zu nehmende Berechnung erstellt werden kann.
Auf der Basis der betriebswirtschaftlichen Auswertung zum 30.09. können sowohl die Umsatzrendite als auch die Kostenquote errechnet werden.
Die Vorgehensweise sieht wie folgt aus: Den erwirtschafteten Praxiseinnahmen stehen die Praxisausgaben gegenüber. Durch Subtraktion der Ausgaben von den Einnahmen erhält man den „vorläufigen Praxisgewinn". Multipliziert man diesen Wert mit 100 und dividiert das Ganze durch die Summe der Praxiseinnahmen erhält man einen Prozentsatz, der die so genannte Umsatzrendite darstellt.

Dieser Prozentsatz drückt aus, wie viel von den Praxiseinnahmen vor Steuern dem Praxisinhaber übrig bleiben: Umsatzrendite = vorIäufiger Gewinn x 100: Praxiseinnahmen.
Nach dem gleichen Rechenprinzip kann nun auch die entsprechende Kostenquote ermittelt werden.
Die Rechengrundlage stellt hier allerdings die Summe der Praxisausgaben im Verhältnis zu den Praxiseinnahmen dar: Kostenquote = Praxisausgaben x 100: Praxiseinnahmen.

Auf der Basis dieser Zahlen kann nun eine realistische Planrechnung auf das Jahresende vorgenommen werden. Folgende Annahmen werden dabei unterstellt und berücksichtigt:
1. Die Restzahlung des II. Quartals wird ebenso berücksichtigt wie noch ausstehende Abschlagszahlungen und Praxisgebühren für den Monat Oktober und für die Monate November und Dezember mit jeweils geschätzten Werten.
2. Die Einnahmen aus Privathonoraren ergeben sich aus den schon erbrachten und abgerechneten sowie aus den noch nicht abgerechneten Leistungen mit einem geschätzten Anteil der im laufenden Jahr noch erfolgenden Zahlungen.
3. In den Personalkosten sollte ein 13. Monatsgehalt berücksichtigt werden.
4. Bei den Kraftfahrzeug-Kosten sollte eine entsprechende private Nutzung erfasst werden.
5. Bei den sonstigen Kosten sind gegebenenfalls noch nicht abgerechnete Honorare für die Erstellung des Jahresabschlusses und der Einkommensteuererklärung des Vorjahres zu berücksichtigen.
6. Weiterhin sollten bei den einzelnen Kostenarten die Ausgaben ermittelt werden, die aufgrund von Verträgen, Rechnungen, Zahlungsterminen oder ähnlichen für die noch verbleibenden drei Monate bereits bekannt sind (so zum Beispiel Zinsen). Hier handelt es sich zum Teil um geschätzte Beträge.
7. Die Abschreibungen sind entsprechend dem Anlageverzeichnis des Vorjahres, ergänzt um die Anschaffungen des laufenden Jahres, anzusetzen.
Den voraussichtlichen Praxisgewinn per 31.12. des laufenden Jahres erhält man dann durch Addition der so ermittelten Werte für die letzten drei Monate des Jahres mit den Zahlen aus den ersten neun Monaten laut vorliegender Buchführung.

Die Steuer-Hochrechnung
Im nächsten Schritt geht es nun darum, die Höhe der Steuern zu ermitteln, die sich aus der Ergebnis-Hochrechnung ableiten lassen. Dazu ist es zunächst einmal erforderlich, das zu versteuernde Einkommen zu ermitteln.
Das zu versteuernde Einkommen ergibt sich aus den verschiedenen Einkunftsarten des Einkommensteuerrechts sowie aus den abzuziehenden Sonderausgaben und eventuellen beziehungsweise individuellen Freibeträgen. Im deutschen Einkommensteuerrecht gibt es sieben Einkunftsarten:
1. Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft
2. Einkünfte aus Gewerbebetrieb
3. Einkünfte aus selbständiger Arbeit
4. Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit
5. Einkünfte aus Kapitalvermögen
6. Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung
7. Sonstige Einkünfte im Sinne des § 22

Der Gewinn aus der Arztpraxis wird der Einkunftsart „selbstständige Arbeit" zugeordnet. Falls der Ehegatte ebenfalls Einkünfte erwirtschaftet, zum Beispiel aus nichtselbständiger Arbeit, so fließen diese ebenfalls in die Betrachtung ein.
Ist Immobilieneigentum vorhanden, so kommen auch Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung zum Tragen. Wie man sieht, spielt hier die individuelle Ausgangssituation eine wesentliche Rolle.
Unter Berücksichtigung verschiedener Abzugsbeträge, wie unter anderem Vorsorgeaufwendungen, Kirchensteuer und Spenden, ergibt sich das zu versteuernde Einkommen. 
Je nach Familienstand wird entweder die Grund- oder Splitting-Tabelle für die Berechnung der Einkommersteuer zu Grunde gelegt. Das Steuerergebnis setzt sich dann aus Einkommensteuer, Solidari-tätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer zusammen.
Die Bemessungsgrundlage für die Kirchensteuer und den Solidaritätszuschlag ist die zu zahlende Einkommensteuer. Auf diese Art und Weise kann man auch den persönlichen Durchschnittssteuersatz und den Grenzsteuersatz ermitteln. Der Durchschnittssteuersatz gibt an, wie hoch das zu versteuernde Einkommen durchschnittlich steuerlich belastet wird; mit dem Grenzsteuersatz wird dagegen jeder zusätzlich verdiente Euro des zu versteuernden Einkommens belastet. In der Regel wurden aber bereits im laufenden Jahr Einkommensteuervorauszahlungen geleistet. Diese verringern den für das laufende Jahr an das Finanzamt nachträglich zu entrichtenden Betrag.

Durch die frühzeitige Kenntnis der Höhe des Praxisgewinns und der daraus resultierenden Steuer bestehen für den Steuerpflichtigen Möglichkeiten der Gestaltung.
In der Arztpraxis gäbe es hierzu folgende Varianten:

 

- Verlagerung von Einnahmen in das Folgejahr. Konkret bedeutet dies, dass Leistungen für Privatpatienten im letzten Quartal des laufenden Jahres zwar erbracht werden, die Rechnungen jedoch erst im Folgejahr an die Patienten verschickt werden. Der fällige Zahlungseingang wird dann auch nach der Einnahmenüberschussrechnung diesem Jahr zugerechnet.

- Der Steuerpflichtige zieht Ausgaben vor. Konkret kann er zum Beispiel eine größere Position an Praxis- oder Laborbedarf erwerben. Zwar erfolgt der Verbrauch dieser Güter erst im nächsten Jahr, die Zahlung beeinflusst jedoch noch das laufende Praxisergebnis.

 

Ein wesentlicher Aspekt ist, dass der Steuerpflichtige, unabhängig von einer Beeinflussung des Praxisergebnisses, frühzeitig eine sich eventuell noch ergebende Steuernachzahlung erkennt. Denn dann kann er frühzeitig Rücklagen bilden. Auf jedem Fall sollte vermieden werden, dass mangels Liquidität im Zeitpunkt der Steuerzahlung ein privates Darlehen aufgenommen werden muss.

Die weiteren Maßnahmen
Die Ergebnishochrechnung auf das Jahresende ist jedoch nur der erste Planungsschritt. In den Monaten Dezember und Januar sollte bereits die Planung für das neue Jahr beginnen. Für den Arzt als Unternehmer im Gesundheitswesen wird es immer wichtiger, so frühzeitig wie möglich zu wissen, wie sich das Praxisjahr im besten oder im ungünstigsten Fall wirtschaftlich darstellt. Auf der Grundlage einer Hochrechnung für das laufende Jahr ist es dann auch leichter, die finanziellen Möglichkeiten im Privatbereich zu planen: Hier seien zum Beispiel Altersvorsorge, Privatinvestitionen oder Sondertilgungen auf Privatdarlehen genannt.
Auch um den Zeitpunkt des wohlverdienten Ruhestands selbst bestimmen zu können, benötigt man Planungssicherheit. Nur wer rechtzeitig mit der Vermögens- und Vorsorgeplanung beginnt, kann den Ruhestand auch genießen. Mit den Erträgen aus dem vorhandenen Vermögen muss der Arzt seine Substanz sichern, aus seinem Einkommen muss die Substanz vermehrt werden. Der Erfolg hängt maßgeblich von der Höhe der Sparquote ab.

Dipl.-Betriebswirtin Monika Rohs-Weingar-ten

Dipl.-Kaufmann Josef Zdarta

 

Quelle: Wirtschaftsmagazin für den Hautarzt 11-12/2010