Nachbehandlung bei kosmetischen Eingriffen - keine GKV-Leistung

Praxismanagement

Nachbehandlung bei kosmetischen Eingriffen - keine GKV-Leistung

In der täglichen Praxis des Hautarztes wird häufig nicht bedacht, dass routinemäßige Nachbehandlungen nach IGeL, so nach kosmetischen Eingriffen, ebenfalls als IGeL abzurechnen sind. Das Wirtschaftsmagazin für den Hautarzt gibt dazu Hinweise.
Kosmetische Operationen im Hautbereich verzeichnen seit Jahren zweistellige Zuwachsraten. Häufig werden derartige Eingriffe aus Kostengründen im Ausland durchgeführt, zur Nachbehandlung begeben sich dann aber die Patienten zu einem Hautarzt im Inland.

 

Abgrenzung GKV/IGeL
Bei kosmetischen Eingriffen sind alle routinemäßigen Nachbehandlungen als IGeL zu liquidieren. Werden zum Beispiel nach einer Hautplastik Fäden entfernt, ist dafür die Nr. 2007 GOÄ abzurechnen. Auch damit im Zusammenhang erforderliche Beratungen sind nach der GOÄ als IGeL zu liquidieren, in der Regel mit der Nr. 1 der GOÄ.
Nach größeren kosmetischen Eingriffen müssen unter Umständen Fäden oder Klammem in mehreren Sitzungen getrennt voneinander entfernt werden, dann ist die Nr. 2007 jeweils pro Sitzung berechnungsfähig.
Mehr oder weniger häufig sind nach kosmetischen Operationen auch Verbandwechsel und Wundinspektionen mit symptombezogenen Untersuchungen erforderlich. Verbandwechsel sind nach Nr. 200 der GOÄ abzurechnen, symptombezogene Untersuchungen nach Nr. 5 der GOÄ.
Allerdings ist zu beachten, dass die Nrn. 1 und 5 der GOÄ jeweils nur einmal pro Behandlungsfall - das ist nach der GOÄ der Zeitraum von einem Monat - einmal zusätzlich zu Sonderleistungen aus den Abschnitten C bis O der GOÄ berechnet werden können und damit auch nur einmal neben einem Verbandwechsel oder neben dem Entfernen von Fäden oder Klammern. Allerdings kann einmal die Nr. 1 innerhalb eines Monats und bei einer weiteren Konsultation die Nr. 5 zusätzlich zu Sonderleistungen berechnet werden.
Schwieriger ist die Situation zu beurteilen, wenn nach einem kosmetischen Eingriff unerwartete Komplikationen auftreten. Daraus kann unter Umständen ein Leistungsanspruch als GKV-Leistung resultieren. Als unerwartete Komplikationen sind zum Beispiel schwerwiegende Wundheilungs Störungen, Thrombo s en und allergische Reaktionen auf Implantate einzustufen.


Im Einzelfall kann sich die Abgrenzung schwierig gestalten, ob es sich um eine routinemäßige Nachbehandlung nach einem kosmetischen Eingriff oder bereits um eine schwerwiegende Komplikation mit Behandlung zu Lasten der GKV handelt. Hier hat der behandelnde Hautarzt einen gewissen individuellen Entscheidungsspielraum. Eine geringfügige Wundheilungsstörung kann durchaus noch als normaler postoperativer Verlauf eingestuft werden, die Behandlungen sind als IGeL nach der GOÄ abzurechnen, auch die dann häufiger erforderlichen Verbandwechsel.


Verschreibungen
Die erforderlichen Arznei- und Verbandmittel sind bei routinemäßigen Nachbehandlungen nach kosmetischen Operationen von den Patienten privat zu bezahlen und deswegen auf Privatrezept zu verordnen. Auf keinen Fall dürfen die Verbandsmittel dem GKV-Sprechstundenbedarf entnommen werden.
Auch die Verordnung von Analgetika nach kosmetischen Eingriffen ist in der Regel auf Privatrezept vorzunehmen, es sei denn, der behandelnde Hautarzt stuft die Schmerzzustände als eigenständiges Krankheitsbild mit Behandlungsmöglichkeit zu Lasten der GKV ein. Ein gefälliges Entgegenkommen bei der Nachbehandlung kosmetischer Eingriffe ist nicht angebracht, da den Patienten bewusst sein muss, dass die in der Folge von kosmetischen Operationen anfallenden Verordnungskosten ebenfalls privat als IGeL zu begleichen sind. Hinzukommt, dass eine großzügige Verordnung zu Lasten der GKV das ohnehin durch die Richtgrößen eng begrenzte Verordnungsvolumen unnötig belastet.

 

Rechnung und Behandlungsvertrag
Versicherte der GKV reichen immer wieder Rechnungen über Nachbehandlungen nach kosmetischen Eingriffen bei ihrer Krankenkasse mit der Bitte um Kostenerstattung ein. Deswegen sollte in den Rechnungen unbedingt vermerkt werden, dass es sich um Nachbehandlungen nach kosmetischen Eingriffen handelt.

 

 

WICHTIG:
Nachbehandlungen nach kosmetischen Operationen
• Alle routinemäßigen Nachbehandlungen sind IGeL
• Entfernung von Fäden oder Klammern: Nr. 2007 GOÄ, 2,3-fach 5,36 Euro
• Bei Entfernung von Fäden oder Klammern in mehreren Sitzungen ist die Nr. 2007 GOÄ je Sitzung berechnungsfähig
• Wund-Nachbehandlungen: Nr. 2006 GOÄ, 2,3-fach 8,45 Euro
• Beratung nach kosmetischen Eingriffen: Nr. 1 GOÄ, 2,3-fach 10,72 Euro
• Symptombezogene Untersuchung: Nr. 5 GOÄ, 2,3-fach 10,72 Euro
• Verband: Nr. 200 GOÄ, 2,3-fach 6,03 Euro
• Verband- und Arzneimittel nach IGeL auf Privatrezept verordnen

 

Quelle: Wirtschaftsmagazin für den Hautarzt 11-12/2010