IGeL - Narbenbehandlung

Praxismanagement

IGeL - Narbenbehandlung

Narbentherapie ist eine einfach zu erbringende IGeL.

Störende Narben können in den weitaus meisten Fällen nicht zu Lasten der GKV behandelt werden. Voraussetzung wäre, dass die Narbe schwer entstellend oder funktionsbehindernd oder stenosierend wäre. Den wenigen Patienten, die ihre eigene Zahlungspflicht für die Narbenbehandlung anzweifeln („die Narbe ist doch durch einen Unfall/eine Operation/Akne entstanden"), muss ggf. klargemacht werden, dass sie das gerne mit ihrer Krankenversicherung klären können. Nur wenn diese die Notwendigkeit der Narbenbehandlung zu ihren Lasten schriftlich (!) bestätige, könne man sicher sein, dass der Arzt nicht belangt werde und der Patient die Kosten nicht noch im Nachhinein von seiner Kasse berechnet bekomme.

Hautärztliche Domäne ist die Narbenbehandlung mit speziellen Narbengels in Kombination mit physikalisch-technischer Behandlung wie Mikrodermabrasion, Ultraschall oder Laser. Jede Methode hat ihre besonderen Indikationen. Die Kombination mit Ultraschall ist vielseitig einsetzbar, bei frischen und älteren Narben, hypertrophen Narben, auch z.B. Striae und kontrakten Narben.

Die IGeL umfasst neben der medizinischen Aufklärung auch die Aufklärung und Anleitung des Patienten zur Selbstbehandlung zwischen den Behandlungen in der Arztpraxis. Etwa alle drei Tage findet in der Praxis die Anwendung kombiniert mit therapeutischem Ultraschall statt. Dies dauert etwa 15 Minuten und kann in der Durchführung auch an eine Helferin delegiert werden.

Es empfiehlt sich, den Zustand mit Größe der Narbe, Farbe, Konsistenz, evtl. Schmerzen und Juckreiz z.B. nach dem Vancouver-Scar-Scale zu quantifizieren. Nicht zuletzt zur Patientenmotivation sollten Photographien angefertigt und dem Patienten mit Erläuterungen (z. B. der Veränderungen im Score) ausgehändigt werden.

Die Behandlungsdauer ist individuell verschieden, meist dauert die Behandlung in der Praxis vier bis sechs Wochen, bei fünf Wochen resultieren etwa zehn Anwendungen in der Praxis. Die weitere Behandlung kann i.d.R. alleine durch den Patienten erfolgen.

Damit der Patient mit dem IGeL-Angebot nicht erst im Arztgespräch überrascht wird, sollte das Angebot der IGeL „Narbenbehandlung" schon im Vorfeld kommuniziert werden, z.B. über entsprechende Aushänge und Flyer. Anderenfalls wird die Vermittlung dessen, dass evtl. (z.B. bei juckenden Narben) sogar noch neben GKV-Leistungen eine Selbstzahlerleistung in Anspruch genommen wird, schwieriger. Außerdem ist die Ausweisung des IGeL-Angebotes schon im Vorfeld der Behandlung Basis des Marketings und der Patientennachfrage. Eine schriftliche „IGeL-Vereinbarung" ist (laut Bundesmantelvertrag) vor Behandlungsbeginn erforderlich.

Therapeutische Ultraschallgeräte erfordern keine sehr hohe Investition (wenige Tausend Euro). Der zusätzliche Platzbedarf ist gering.

Die Berechnung erfolgt für die Beratungen mit der Nr. 1 GOÄ, hinzu kommt die Nr. 5 GOÄ für die Untersuchung. Die Ultraschall-anwendung kann mit der Nr. 539 GOÄ berechnet werden. Das Gel wird zweckmäßigerweise privat rezeptiert. So kann gegenüber der Abgabe in der Praxis und Berechnung als Auslagenersatz (nach § 10 GOÄ) nicht der Eindruck entstehen, der Arzt verdiene unzulässigerweise am Arzneimittel.

Die Nr. 750 GOÄ analog für die Photodokumentation kann nur dann berechnet werden, wenn die Photos dem Patienten mit einer Erläuterung überlassen werden. Erfolgt die Dokumentation nur für den Arzt, ist dies, auch bei Anfertigung von Photos, keine be-rechnungsfähige Leistung! Die Photos selber können als Auslagen mit ihren tatsächlichen Kosten berechnet werden. Bei den gerii * Kosten für einen Ausdruck in kleinerem Format empfehlen wir jedoch, dies als „Serviceleistung" zu sehen und auf die zusätzliche Berechnung zu verzichten.

Ein Beispiel: Berechnung des ersten „Arzttermins" mit den Nrn. 1 und 5 GOÄ mit 2,145-fachem Faktor, Nr. 539 GOÄ mit 2,34-fach („Behandlung in sensiblem Bereich"). Bei der Zwischenuntersuchung (noch in demselben Behandlungsfall) muss die Nr. 539 GOÄ entfallen, bei der Abschlussuntersuchung kommen die Nrn. 1,5,539 und 750 analog mit 2,29-fachem Faktor zum Ansatz (16 €). Die Zwischenbehandlungen alleine durch die Helferin werden mit der Nr. 539 GOÄ berechnet. Mit den gewählten Faktoren resultieren 130 €, zzgl. Arzneikosten. Das Ultraschallgerät kann auch bei anderer (-dikationen (z.B. Cellulite, Faltenbehandlung) eingesetzt werden. Für den Arzt rechnet sich das Angebot meist bei zwei Narbenpatienten im Monat.

Wichtig:
• Narbenbehandlung und Narbenmanagement sind i.d.R. IGeL
• Hautärztliche Domäne ist die Narbenbehandlung in Kombination physikalisch-technischer Therapie mit Narbengels
• Bei Ultraschall-Narbentherapie in Kombination mit einem teils durch den Patienten selbst anzuwendenden Narbenspezifikum resultieren im gewählten Behandlungs- und Abrechnungsbeispiel 130 € Arzthonorar.

Quelle: 03/09 HAUT