Hinweispflicht auf Medikamentenrisiken

Praxismanagement

Ärzte müssen ihre Patienten auf erhebliche Risiken eines verordneten Medikaments hinweisen und dürfen sich nicht auf die Informationen im Beipackzettel verlassen. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) im Fall einer damals 30-jährigen Raucherin entschieden. Sie hatte im Februar 1995, zwei Monate nach Beginn der Einnahme eines Verhütungsmittels, einen Schlaganfall erlitten - und zwar wegen der Wechselwirkung zwischen dem Nikotin und dem Medikament. Ihre Gynäkologin hatte sie nicht auf die Risiken der Pille für Raucherinnen in ihrem Alter hingewiesen. Die Frau verklagte die Ärztin deshalb auf Schadenersatz (Aktenzeichen: VI ZR 289/03 vom 15. März 2005).

Zwar wurde in den Gebrauchsinformationen Frauen ab 30 ausdrücklich geraten, bei Einnahme des Mittels das Rauchen aufzugeben. Denn es bestehe ein erhöhtes Risiko, einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall zu erleiden. Laut BGH reicht dies aber nicht aus. Wegen der möglichen schwerwiegenden Folgen hätte die Gynäkologin bei der Verordnung des Medikaments ausdrücklich auf die erheblichen Gefahren hinweisen müssen, befand der VI. Zivilsenat. Nur dann hätte die Frau ihr Selbstbestimmungsrecht ausüben und entscheiden können, entweder auf das Medikament oder auf das Rauchen zu verzichten.

Die Aufklärungspflicht des Arztes umfasst nicht alle in den Gebrauchsinformationen aufgeführte Nebenwirkungen, sondern nur ernsthafte Risiken. Darüber muss aber nachhaltig informiert werden. Der Hinweis im Beipackzettel allein kann den Arzt nicht entlasten. Der Arzt kann sich, schon wegen des meist großen Umfangs der Information auf den Beipackzetteln, nicht darauf verlassen, dass der Patient alles liest.

Dr. jur. Gerd Krieger, März 2005