Dermatologie und Rahmenbedingungen: Flächendeckende Versorgung sichern

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen

Die Dermatologie ist das einzige Fach, mit dem in allen vier Abrechnungsbereichen GKV, PKV, GUV und Selbstzahler-Leistungen ein auskömmliches Einkommen erzielt werden kann. Dieses Alleinstellungsmerkmal im Fächerkanon muss erhalten, ausgebaut und auch besser kommuniziert werden.

Basisfinanzierung EBM

Der EBM als Basisfinanzierung muss weiter an die Bedürfnisse einer modernen dermatologischen Versorgung angepasst werden. V.a. mit Blick auf den starken Anstieg von Krebserkrankungen der Haut müssen ausreichend Finanzmittel zur Verfügung gestellt werden, damit auch in Zukunft eine angemessene Versorgung der Patienten gewährleistet ist. Bei der Honorarverteilung muss der hochfrequenten Inanspruchnahme der Dermatologen durch die Patienten Rechnung getragen werden.

Insbesondere in der GOÄ müssen Mechanismen geschaffen werden, die einem innovativen Fach wie der Dermatologie gerecht werden.

Die Haut als Grenze zur Umwelt ist wie kein anderes Organ den Belastungen einer zunehmend komplexeren Arbeitswelt ausgesetzt. Daher muss speziell in der Dermatologie weiterhin dem Zusammenwirken von Arbeitswelt und Hautgesundheit hohe Aufmerksamkeit gewidmet werden. Die gute Zusammenarbeit zwischen der Dermatologie und den Trägern der Unfallversicherung im Bereich der UV-GOÄ muss weiterentwickelt werden.

Von Eigenbeteiligungen zur Regelversorgung Selbstzahler-Leistungen stehen im deutschen Gesundheitswesen flächendeckend in der Kritik, obgleich sie Ausdruck des Selbstbestimmungsrechtes aller Patienten sind.

Gleichzeitig haben in der Vergangenheit Eigenbeteiligungen der Patienten dazu geführt, dass Behandlungen außerhalb des GKV-Leistungskatalogs schließlich in die Regelversorgung überführt wurden. So gelang es der Dermatologie mit dem Hautkrebs-Screening in einem Umfang wie bisher in keinem anderen Fach, eine Selbstzahler-Leistung als Kassenleistung in der Regelversorgung zu verankern. Dies zeigt, dass die Dermatologie mit Selbstzahler-Leistungen sorgsam umgeht. Wir werden daran arbeiten, diesen Bereich mit der gebotenen Seriosität weiter zu entwickeln.

Nachwuchsförderung

Nachwuchsförderung

Während die Dermatologie in anderen Ländern eine bei Medizinstudierenden überaus beliebte und hoch angesehene Fachrichtung darstellt, genießt sie hierzulande nicht flächendeckend ein hohes Ansehen bei den Befragungen von Studierenden oder frisch approbierten Ärzten. Dies dürfte an der mangelnden Kenntnis ihres Potenzials und ihrer eingeschränkten Berücksichtigung im medizinischen Curriculum liegen.

Die Dermatologie muss die Attraktivität des Faches deshalb durch Verweise auf die inhaltliche Vielfalt, die Aufgeschlossenheit gegenüber technologischen Neuerungen und die Möglichkeit neuer Versorgungsformen an den Nachwuchs kommunizieren.

Den Nachwuchs begeistern

Freie Kongressteilnahmen, Stipendien und ein flächendeckendes Angebot von Famulaturplätzen in Klinik und Praxis können den Nachwuchs für unser Fach begeistern. Mit der Arbeitsgruppe und Internetplattform JuDerm sowie dem Nachwuchsforum legen BVDD und DDG hier einen Schwerpunkt ihrer Zukunftsarbeit.

Da die Dermatologie ein zu großen Teilen ambulant orientiertes Fach ist, wird die Weiterbildung zum Facharzt zukünftig häufiger auch in der Hautarztpraxis erfolgen. Wie in der Allgemeinmedizin müssen auch für die Dermatologie Rahmenbedingungen geschaffen werden, die eine Niederlassung erleichtern.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Junge Ärztinnen und Ärzte möchten gerne in ihrem Beruf arbeiten, jedoch haben sich ihre Vorstellungen über die Vereinbarkeit von Familie, Beruf, Freizeit stark verändert. Neue Arbeitsformen, zum Beispiel in Form einer Anstellung in der Praxis oder im Medizinischen Versorgungszentrum, nehmen zu. Der Wegfall der Residenzpflicht war ein guter Schritt, der es Dermatologinnen und Dermatologen ermöglicht, an der Peripherie zu arbeiten, aber im Zentrum zu wohnen.

Weitere flexible Arbeitsformen wie z.B. temporäre Niederlassung, Ausübung der Tätigkeit in mehreren Vertragsverhältnissen, Arbeit an mehreren Standorten und telemedizinische Versorgung müssen verstärkt angeboten werden, um den Beruf Arzt und das Fachgebiet Dermatologe auch in Zukunft für junge Menschen attraktiv zu halten.

Vom Einzelkämpfer zum Team

Befragungen junger Kolleginnen und Kollegen ergaben den häufigen Wunsch, den Beruf nicht mehr alleine als "Einzelkämpfer" in der Praxis auszuüben zu wollen. Ideal erscheinen Praxen mit zwei bis drei Ärzten. Auch die Vernetzung von Praxen und die Vernetzung von Praxis und Klinik bieten Perspektiven, die weiterentwickelt werden müssen. Viele Kolleginnen und Kollegen haben während ihrer Weiterbildung in der Klinik den Austausch im Team schätzen gelernt und möchten ihn auch in ihrer niedergelassenen Tätigkeit nicht missen.

Strukturschwache Gebiete

Strukturschwache Gebiete

Die Dermatologie ist ein Fach der Spezialversorgung, aber auch ein Fach der Grund- und Regelversorgung. Bei Patienten mit chronischen Dermatosen erfüllt der Dermatologe sogar häufig fast hausärztliche Aufgaben. Die flächendeckende Versorgung mit dermatologischen Leistungen ist für gute medizinische Versorgung daher zwingend notwendig.

Für die Sicherstellung der Versorgung außerhalb der Ballungsgebiete sind alle Verantwortlichen gefordert: der Gesetzgeber, die ärztliche Selbstverwaltung und ebenso die Landkreise und Kommunen, um die Niederlassung in der Fläche attraktiv zu gestalten. Entsprechende Anreize reichen von einer gut ausgebauten Infrastruktur für junge Familien mit ausreichend Krippen-, Kindergarten- und Schulplätzen und guten Verkehrsanbindungen über die Bereitstellung oder Subventionierung von Praxisräumen und High-Speed Internet-Verbindungen bis zur Befreiung von Fallzahl- oder Mengenbegrenzungen.

Gerade auch für die Versorgung außerhalb der Städte bietet sich in der Dermatologie wie in keinem anderen Fach die Nutzung neuer Medien an. Viele Erkrankungen können telemedizinisch hervorragend versorgt werden. Um die flächendeckende Versorgung mit dermatologischen Leistungen auch in Zukunft sicherstellen zu können, sind gezielte Vernetzungen zwischen dermatologisch qualifizierten Hausärzten und Dermatologen der richtige Weg.