Entstigmatisierung Initiative für Menschen mit sichtbaren chronischen Hauterkrankungen

BERLIN

Das BMG-geförderte Projekt zur Erforschung wirksamer Maßnahmen zur Prävention und Bekämpfung von Stigma und Diskriminierung gegen Menschen mit sichtbaren chronischen Hauterkrankungen geht in sein zweites Jahr.

Anfang Januar 2018 ging das multidisziplinäre und multiprofessionelle Entstigmatisierungsprojekt ECHT an den Start. Die wissenschaftliche Recherche von Fachliteratur und Strategiepapieren lieferte Hinweise auf mögliche Ansätze, wie Stigma frühzeitig bekämpft werden kann bzw. idealerweise gar nicht erst entstehen soll. Aus den Ergebnissen entwickelten die beteiligten Versorgungsforscher aus Dermatologie, Adipositas-Forschung, Psychologie, Pädagogik und Sozialarbeit Unterrichtsmodule, die in Phase II des ECHT-Projekts - im Jahr 2019 - in zwei unterschiedlichen Zielgruppen exemplarisch erprobt werden sollen.

Stigma gar nicht erst entstehen lassen

Zum einen sollen Medizinstudierende für Stigma in der Versorgung sensibilisiert werden. Das Projektteam um Herrn Professor Augustin und Frau Dr. Sommer vom IVDP in Hamburg sowie Herrn Professor Mrowietz von der Uni-Hautklinik Kiel als Leiter der AG Wissenschaft plant ein Seminar, das im Rahmen einer Pilotstudie an den Medizinischen Fakultäten in Hamburg und Kiel erprobt wird. Später soll das Programm auch an anderen Hochschulen implementiert werden.

Die frühkindliche Erziehung ist ein zweiter wichtiger Bereich mit großer Breitenwirkung, um der Entstehung von Vorurteilen gegen Menschen mit einem anderen Hautbild von klein auf entgegen zu wirken. Das ECHT-Projekt entwickelt und erprobt dafür Unterrichtseinheiten im Rahmen der Erzieherausbildung an der Fachschule für Sozialpädagogik am Regionalen Bildungszentrum Königsweg in Kiel. Nach der Erprobung können die Unterrichtsmodule idealerweise in modifizierter Form auch in anderen Schularten angeboten werden.

Beide Interventionen werden von der Hochschule für Gesundheit in Gera unter Leitung von Frau Professor Luck-Sikorski wissenschaftlich evaluiert.

Mit Wissen, Mut und Selbstbewusstsein

Parallel zu den Interventionsstudien untersuchen die Projektpartner aus Verbänden, Forschungseinrichtungen und Patientenorganisationen, wie der Entstehung von Stigma und der Diskriminierung von Menschen mit äußerlich verändertem Erscheinungsbild langfristig entgegen gewirkt werden kann. Das Gesundheitsministerium erwartet dazu ein Langzeitkonzept, das neben den Ergebnissen aus Recherche und Erprobung auch Handlungsempfehlungen für die Verstetigung erfolgreicher Anti-Stigma-Maßnahmen enthalten soll. Neu ist: die Erkenntnisse aus dem ECHT-Projekt sollen nicht nur nachhaltig gegen Stigma bei Hauterkrankungen wirken, sondern auch auf andere häufig stigmatisierte Patientengruppen mit chronischen Krankheiten übertragbar sein. Für das Langzeitprojekt hat sich das Konsortium bereits auf ein übergreifendes Motto geeinigt: In meiner Haut.

Weitere Infos über das Projekt finden Sie im F.A.Z.-Verlagsspezial "Fortschritte in der Dermatologie" vom Dezember 2018: Neue Initiative für Menschen mit sichtbaren chronischen Erkrankungen.

sl/BVDD