Erster Hinweis – Hautkrebsscreening senkt Mortalität

Trotz hoffnungsvoller neuer Therapieansätzen zur Behandlung des malignen Melanoms ist und bleibt die Vorsorge die wichtigste Waffe beim Kampf gegen den Hautkrebs. Das unterstrichen die Teilnehmer der Auftaktpressekonferenz zur Euro-Melanoma-Woche 2011. BVDD-Präsident Dr. Michael Reusch präsentierte neueste Zahlen des Krebsregisters Schleswig-Holstein.

Auftaktpressekonferenz zur Euro-Melanomawoche 2011

BERLIN - Trotz hoffnungsvoller neuer Therapieansätzen zur Behandlung des malignen Melanoms ist und bleibt die Vorsorge die wichtigste Waffe beim Kampf gegen den Hautkrebs. Das unterstrichen die Teilnehmer der Auftaktpressekonferenz zur Euro-Melanoma-Woche 2011. BVDD-Präsident Dr. Michael Reusch präsentierte neueste Zahlen des Krebsregisters Schleswig-Holstein.

„Ein besonders starker Rückgang der Mortalität ist für das maligne Melanom zu beobachten. Hier scheint sich die Pilotphase zum Hautkrebs-Screening in den Jahren 2003 und 2004 in Schleswig-Holstein bemerkbar zu machen “, konnte Reusch aus dem jüngsten Jahresbericht des Krebsregisters Schleswig-Holstein zitieren. Demnach hatte das Screening zur Folge, dass die Fallzahlen zwar stark anstiegen, die Mortalität aber deutlich zurückging: „Die Mortalität liegt ca. 50 Prozent unter den deutschen Werten und zeigt dabei einen jährlichen Rückgang um sieben Prozent“. Mit dem Schluss, den die Autoren des Berichts dabei für das im Juli 2008 eingeführte gesetzliche HKS ziehen, liegen sie voll auf der Argumentations-Linie der Hautärzte: „Es ist zu erwarten, dass dadurch noch mehr Tumoren in einem prognostisch günstigen Stadium entdeckt werden können“, so die Prognose.


Dabei geht es in absoluten Zahlen gesehen um ein Massen-Phänomen, wie Prof. Rudolf Stadler, Präsident der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) darstellte. 193.000 Hautkrebs-Neuerkrankungen jährlich, davon 22.000 Melanome, führen dazu, dass sich in Deutschland knapp 900.000 Menschen in Behandlung wegen einer Hautkrebserkrankung befinden. Das dies auch wirtschaftlich von größter Bedeutung ist, rechnete Dr. Michael Reusch vor: „die Behandlungskosten summieren sich auf drei Milliarden Euro, rechnet man Folgekosten die etwa durch Frühverrentung entstehen, hinzu, kommen wir auf 3,5 Milliarden Euro“, so Reusch.


„Trotz bisheriger therapeutischer Anstrengungen ist das maligne Melanom bei zu später Diagnosestellung eine tödliche Erkrankung“, machte Stadler klar. „Das metastasierte Melanom zählt zu den aggressivsten Krebsformen. Die Ein-Jahres-Überlebensrate liegt im Mittel bei 26 Prozent, das Gesamtüberleben bei sechs Monaten“, so Stadler.
Ganz anders dagegen die Prognosen im ersten Stadium: wird der Tumor entdeckt, wenn er noch keine Dicke von 0,75 Millimetern erreicht hat, liegt die 10-Jahres-Überlebensrate bei 97 Prozent, wie Reusch darstellte. So muss es nach wie vor vorrangiges Ziel bleiben, den Diagnosezeitpunkt so weit wie möglich vorzuverlegen, so die Präsidenten von DDG und BVDD übereinstimmend.
Neben weiterer Öffentlichkeitsarbeit zum Thema Sonnenschutz, um Hautkrebse erst gar nicht entstehen zu lassen, muss aber auch das gesetzliche HKS als wichtige Präventionsmaßnahme in der Bevölkerung noch bekannter gemacht werden. „Wie eine eben erst veröffentlichte Forsa-Umfrage der DDG zeigt, kennen 50 Prozent der Befragten immer noch nicht dieses spezielle Vorsorgeangebot“, so Reusch.


Denn bis das metastasierende Melanom tatsächlich heilbar wird, ist noch viel Forschungsarbeit zu leisten, wie Prof. Dirk Schadendorf ausführte. Aber der Einstieg ist gelungen: „Nachdem wir drei Jahrzehnte lang kein Mittel gegen den Krebs gefunden habe, ist die Wende geschafft“, so der Präsident der Arbeitgemeinschaft Dermatologische Onkologie (ADO). „Die Zukunftsperspektiven für die Therapie des malignen Melanoms liegen in der individualisierten Therapie, wie Chemsosensitivitätstestung, Entwicklung indivualisierter Hemmer, den so genannten Small molecules oder kleinen Molekülen wie auch der individualisierten Immuntherapie bzw. immunmodulatorischer Antikörper“, erläuterte Prof. Rudolf Stadler. Schadendorf verglich die Situation mit der Behandlung von AIDS: „Ende der 80er Jahre war AIDS nicht wirklich behandelbar. Aber die stetige Forschung hat dazu geführt, dass die Immunkrankheit inzwischen ganz gut therapiert werden kann“, so Schadendorf. Der Dermato-Onkologe rechnete damit, dass schon in Kürze Medikamente zu Verfügung stehen, die die Überlebenserwartung um zwei bis drei Jahre verlängern.


Die „Aktivisten“-Seite wurde bei der Pressekonferenz von Dr. Dirk Debus von der Hautklinik Nürnberg repräsentiert. Mit 206 durchgeführten Untersuchungen im Rahmen der Euromelanoma-Woche 2010 lagen Debus und seine Mitstreiter an der Tabellenspitze. Als Siegerpreis durfte der Nürnberger Dermatologe sein Projekt einer breiten Öffentlichkeit vorstellen. An zwei Nachmittagen wurde nach allen Regeln der Kunst untersucht. Neben der Sekundärprävention, der Hautkrebsfrüherkennung, kam auch die Primärprävention nicht zu kurz: zum Programm zählte auch eine Hauttypbestimmung und Beratung zum Sonnenschutz.