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Schuppenflechte: Aktionsbündnis gegen Stigmatisierung startet

Maßnahmenkatalog gegen Vorurteile und Ausgrenzung  

HAMBURG – Patienten mit Schuppenflechte leiden nicht nur unter Hautsymptomen, sondern auch unter Vorurteilen und Ablehnung in ihrem Umfeld. Darauf haben Hautärzte und Patientenvertreter auf einer Pressekonferenz anlässlich des diesjährigen Weltpsoriasistages am 29. Oktober hingewiesen, der unter dem Motto „Haut bekennen“ stand.  

Den nach wie vor weitverbreiteten Vorurteilen gegenüber Hautkrankheiten hat sich das von Dermatologen und Patienten im August dieses Jahres gegründete „Aktionsbündnis gegen Stigmatisierung“ angenommen, wie Dr. Ralph von Kiedrowski, Vorstandsmitglied des Berufsverbandes der Deutschen Dermatologen (BVDD) unterstrich. „Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) hat diese Problematik inzwischen erkannt und unterstützt die Bemühungen des Aktionsbündnisses“, konnte er darüber hinaus berichten. Unter anderem sei inzwischen ein Maßnahmenkatalog mit allen Beteiligten abgestimmt worden, der dem BMG als Projektantrag vorliege.  

Das Thema Stigmatisierung zieht sich als Anliegen der Patientenorganisationen und der versorgenden Hautärzte durch alle Länder der Welt. So hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) alle Mitgliedstaaten aufgefordert, aktiv Maßnahmen gegen Stigmatisierung und für eine bessere gesellschaftliche Akzeptanz der Schuppenflechte einzuleiten. Zur Wahrnehmung von Schuppenflechte in der Bevölkerung haben BVDD, Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) und der Förderverein der bundesweiten Psoriasisnetze (PsoNet) aktuell eine FORSA-Umfrage durchführen lassen.  

Demnach bestehen hierzulande immer noch Vorbehalte und fehlende Akzeptanz gegenüber Menschen mit chronischen sichtbaren Hauterkrankungen. So würden 24 Prozent keine Partnerschaft mit einem Betroffenen eingehen und 20 Prozent nicht mit ihm ins Schwimmbad gehen. Zehn Prozent der Bevölkerung glauben immer noch, dass Schuppenflechte ansteckend sein könnte. Ziel des „Aktionsbündnisses gegen Stigmatisierung“ sei es, so von Kiedrowski, diese Werte positiv zu verändern. Dazu sollen wissenschaftlich begleitet Programme entwickelt werden, damit Patienten mit sichtbaren Hauterkrankungen akzeptiert werden und auch mit ihrer Krankheit besser klarkommen.  

„Psoriasis gehört weltweit mit 125 Millionen und in Deutschland über zwei Millionen Betroffenen zu den häufigsten und vielfach belastenden Hauterkrankungen“, erläuterte Prof. Matthias Augustin vom Competenzzentrum für Versorgungsforschung in der Dermatologie (CVderm). Aufgrund des chronischen Krankheitsverlaufs, der hohen Krankheitslast und eines noch immer erschwerten Zugangs zu modernen Therapien stünden die Betroffenen häufig unter hohem Leidensdruck. Obwohl im internationalen Vergleich die Versorgung der Schuppenflechte in Deutschland nach den Worten Augustins zur Weltspitze gehört und von der WHO als beispielhaft erwähnt wird, werden nur rund 40 Prozent der Patienten hierzulande nach modernen Leitlinien behandelt. „Zielsetzung muss es in den nächsten Jahren sein, möglichst allen Patienten den Zugang zu dieser Versorgung zu ermöglichen“, forderte der Hamburger Versorgungsforscher.

 

wha/BVDD