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Hoch wirksam: Fortbildung zur ambulanten Balneo-Phototherapie

Psoriasis-Praxisnetz Süd-West stellt hohe Effektivität heraus

HEIDELBERG - Die ambulante Balneo-Phototherapie ist sicher, wirksam und effizient bei der Behandlung der mittelschweren bis schweren Psoriasis. Das ist die „Take-Home-Message“ einer gut besuchten CME-Fortbildung zur Schuppenflechte-Therapie des Psoriasis-Praxisnetzes Süd-West Mitte April in Heidelberg.

„Wertet man den Kosten-Nutzen-Effekt, die Praktikabilität für Ärzte sowie die hervorragenden Ergebnisse der Anwendung, so ist die ambulante Balneo-Phototherapie eine der effektivsten Therapieformen, die wir in Deutschland einsetzen“, so Dr. Bernd Salzer Landesvorsitzender des BVDD in Baden-Württemberg und Schatzmeister des Psoriasis-Praxisnetzes Süd-West in seinem Resümee. „Dabei handelt es sich um eine systemische Therapieform, die angesichts der  PASI-Werte einen vergleichbaren, wenn nicht sogar besseren Erfolg zeigt als manche Biologika. Sehr häufig wird bei der ambulanten Balneo-Phototherapie auch ein PASI 100 nach 10-12 Wochen erreicht.“

Das Wirkprinzip stellten Prof. Ralf Uwe Peter, Hautarzt in Blaustein und ehemaliger Ordinarius der Universitätshautklinik Ulm, sowie Prof. Dr. Mark Berneburg, Ordinarius der Hautklinik Regensburg, dar. Durch Immunmodulation der Entzündungszellen wird bei der aBP eine ganzkörperliche systemische Wirkung hervorgerufen.

„Wie ein Wirkstoff an den Zielort, in diesem Falle die Haut kommt, ob über eine orale Aufnahme oder perkutan, sodass fernab der eigentlichen Einwirkungslokalisation positive Effekte auftreten, die mit einer systemischen Therapie vergleichbar sind, ist von untergeordneter Bedeutung“ so Prof. Peter.

Schon in älteren Studien konnte bewiesen werden, dass die ambulante Balneo-Phototherapie ambulant mit gleichem Erfolg wie stationär durchgeführt werden kann. Des Weiteren unterscheiden sich Vollumspülungsbäder nicht von Folienbädern, das heißt das hygienischere und weniger Wasser und Solelösung erfordernde Folienbad zeigt die gleiche Effizienz wie Vollumspülungsbäder.

Prof. Berneburg bewertete die ambulante Balneo-Phototherapie als die derzeit effizienteste und im Preis-Leistungs-Verhältnis beste Therapieform, die in Deutschland zur Verfügung steht. Auch die Patientenzufriedenheit ist sehr hoch, was Prof. Peter anhand einer Doktorarbeit zeigen konnte. So haben 86,2 % der Patienten die Balneo-Phototherapie als sehr empfehlenswert eingestuft. Die Durchführbarkeit wird von 58 % der Patienten in dieser Studie als ein in den Alltag sehr gut zu integrierendes Therapieschema eingestuft, trotz der erforderlichen wiederholten Besuche in der Hautarztpraxis. 

Die Kanzerogenität wurde in Heidelberg von allen beteiligten Experten auch in lebhaften Diskussionen mit den Anwendern in den Praxen als unbedenklich eingestuft. Im Gegensatz zu früheren Berichten zu  langfristig angelegten systemischen PUVA-Therapien mit Tabletten, scheint die Balneo-Phototherapie keine kanzerogene Wirkung zu entwickeln.

Während bei medikamentösen Therapien häufig sehr hohe Kosten für Systemtherapeutika, insbesondere bei Biologika, anfallen, ist der Aufwand für Material und Personaleinsatz einschließlich Arztlohn bei der ambulanten Phototherapie vergleichsweise gering. 

Die aBP wurde 2008 in die Regelversorgung der Gesetzlichen Krankenversicherung eingeführt. Derzeit sind bundesweit 537 Anwender der ambulanten Balneo-Phototherapie erfasst, in Baden-Württemberg sind die meisten Anbieter Mitgklied im Psoriais-Praxisnetz Süd-West 

Die Vergütung im ambulanten Bereich liegt derzeit bei ca. 42,40 Euro. In Baden-Württemberg setzt die durchschnittliche Praxis, die eine ambulante Balneo-Phototherapie anbietet, ca. 28.000 Euro mit dieser Form der Behandlung um, was eine nicht zu unterschätzende Zusatzeinnahme für die Praxen bedeutet. 

Fragen nach den zukünftigen Strukturen waren weitere Schwerpunkte des Programms. "Wie sieht die klinische und ambulante Dermatologie in der Zukunft aus?“ war der Beitrag von Prof. Peter überschrieben. Dr. Salzer ging der Frage nach, ob die Digitalisierung des Gesundheitswesens sich zum Segen oder Fluch des Gesundheitswesens entwickeln werden. Dabei wurde deutlich, dass neue Formen von Kooperationen die Möglichkeiten der Praxisführung erweitern und die viel diskutierten neuen Einsatzmöglichkeiten elektronischer Medien den Praxisalltag stark verändern könnten.

Auf großes Interesse stieß das zwei Tage nach der Veranstaltung in Heidelberg ausgerollte E-Behandlungskonzept der KV Baden-Württemberg. Patienten mit akuten Gesundheitsproblemen werden in diesem neuen Konzept für Fernbehandlungen bei dringenden Gesundheitsproblemen per Video-Chat, E-Mail oder SMS versorgt.

Das Fernbehandlungsverbot wurde für dieses Modell-Projekt in Baden-Württemberg durch einen Einzelfallentscheid der Landesärztekammer aufgehoben. Erweist sich der Einsatz moderner Kommunikationsmittel als unzureichend, um die Probleme des Patienten ausreichend zu behandeln, wird er noch am gleichen Tag in einer der neu geschaffenen patientennah erreichbaren Portal-Praxen (PEP)  vorgestellt. Für dringende Fälle werden im PEP-Praxiskalender entsprechend Termine für Notfälle frei gehalten. Sowohl das Fernbehandlungsgespräch als auch die Vorstellung über einen PEP-Praxis-Termin werden zusätzlich zur anfallenden EBM-Leistung extrabudgetär mit rund 20 bis 30 Euro vergütet, wie in Heidelberg zu erfahren war.

Mit diesem zukunftsweisenden Modell-Projekt sollen die Möglichkeiten der Fernbehandlungen in allgemeinmedizinischen und fachärztlichen Bereichen (u.a. HNO, Pneumologie, Urologie etc.) ausgelotet werden.

 

B. Salzer/BVDD