106. Deutsche Ärztetag Zukunft des Speziallabors wird bis zum Herbst geklärt

BerlinGesundheitspolitik

Mit großer Mehrheit hat der 106. Deutsche Ärztetag eine neue Muster-Weiterbildungsordnung (MWBO) verabschiedet. Vorerst noch kein grünes Licht gab es in Köln, das dermatologische Speziallabor in der Praxis im vollen Umfang fortzuführen.

Die fünf- bzw. sechsjährige Weiterbildung und Spezialisierung der Mediziner nach ihrem Studium wird sich in Zukunft auf Kernelemente ihres Fachgebiets konzentrieren. Eine Reihe von bislang bereits in der Weiterbildungsphase erworbenen Qualifikationen müssen dann berufsbegleitend im Rahmen von curriculären Weiterbildungsangeboten oder auch als Zusatzqualifikation nachgewiesen werden. Damit wird die Anzahl der ärztlichen Weiterbildungsbezeichnungen von bislang rund 160 auf knapp 100 vermindert.

Die Beratungen des Ärztetages zur MWBO zogen sich über zwei Tage hin. Nach Darstellung der zuständigen Weiterbildungsdezernentin in der BÄK, Dr. Annette Güntert, ging es den Verantwortlichen für die Vorlage zunächst vor allem darum, grünes Licht für die Grundstrukturen der MWBO zu erhalten.
Dennoch traf das Ärzteparlament bereits in Köln zahlreiche weitergehende Einzelentscheidungen. So werden in der Proktologie beispielsweise künftig auch fertig ausgebilderte Fachärzte der Gebiete „Gynäkologie und Geburtshilfe”, llgemeine Chirurgie, Kinderchirurgie, Viszeralchirurgie, Innere und Allgemeinmedizin, Innere und Gastroenterologie oder Urologie den Zugang zu einer 12monatigen Zusatzweiterbildung „Proktologie” erhalten. Ein weitergehender Antrag, die Proktologie allen Fachärzten zu öffnen fand nicht die erforderliche Mehrheit.
Vorerst noch kein grünes Licht gab es in Köln, das dermatologische Speziallabor in der Praxis im vollen Umfang fortzuführen. Ein Antrag des Bad Kissinger Delegierten und Hautarztes Dr. Klaus Deuchert die einschlägigen Kapitel um definierte Untersuchungs- und Behandlungsverfahren wie die Ejakulatuntersuchung in der Andrologie, die mykologische Untersuchung einschließlich kultureller Verfahren und Erregerbestimmung, die baketriologische und immunologische Untersuchungen einschließlich der STI-Diagnostik sowie das Trichogramm zu ergänzen, verwies das Ärztetagsplenum wie viele andere komplexe Anträge auch zur weiteren Bearbeitung an den Vorstand. Ausserdem dringt Deuchert in seiner mit dem Vorstand des Berufsverbandes und der DDG abgestimmten Initiative darauf, die Beschreibung des Gebiets „Haut und Geschlechtskrankheiten” zu ergänzen um „mikroskopische und immunologische Untersuchungen eines Körpermaterials einschließlich darin enthaltener Erreger (nativ) mittels Verwendung besonderer optischer Systeme und anderer Verfahren, kultureller Nachweis von Pilzen und venerologisch relevanter Keime sowie mikroskopischer Differenzierung von Haaren”. Der Antrag wird mit dem Hinweis begründet, dass die angegebenen Untersuchungsverfahren integraler Bestandteil des Faches und seit jeher Ausbildungsgegenstand gewesen seien. „Ein Wegfall dieser Ausbildungsinhalte führt zu einem wesentlichen Qualitätsverlust“ betonte Deuchert in Köln. Flankiert werden diese Bemühungen von einem weitergehenden Antrag, eine weitreichendere Zusatzweiterbildung für die fachbezogenen Labordiagnostik zu schaffen.

Die zahlreichen noch offenen, teils fachübergreifend relevanten Fragen sollen spätestens bis zum Bayerischen Landesärztetag im Spätsommer geklärt werden, wie Prof. Hellmut Koch mitteilte. Bereits im Vorfeld des Ärztetages hatten intensive Gespräche mit Koch stattgefunden, die am Rande der Versammlung in Köln mit den zuständigen Stellen der Bundesärztekammer fortgesetzt wurden. „Es geht um eine Zukunftsfrage”, betont Deuchert. Zumindest darin sind sich die Gegner des Entwurfs mit der Ärztekammer schon jetzt einig. Wirksam wird die neue Musterordnung nämlich frühestens ab 2004, wenn denn die Landesärztekammern den gesteckten Rahmen zügig umsetzen. Das bedeutet aber: nach der neuen Musterweiterbildungsordnung ausgebildete Fachärzte werden nicht vor 2009 als Dermatologen tätig werden. Doch betroffen sind auch schon in der Übergangsphase bis dahin zahlreiche andere Praxen mit einem labordiagnostischen Schwerpunkt: ihre Inhaber fürchten, bei Verkauf oder Übergabe an einen Nachfolger empfindliche Einbußen hinnehmen zu müssen.