Gipfeltreffen Berufsdermatologie Rückenwind aus Europa für UV-Schutz am Arbeitsplatz

PARISGesundheitspolitik, Hautarztnews

Seit Jahren üben Dermatologen Kritik an der Systematik, mit der die Weltgesundheitsorganisation die Häufigkeit von Hautkrebs in den Mitgliedsstaaten der Weltgemeinschaft erfasst. Die Forderung der Fachgruppe nach einer umfassenden Dokumentation des Krankheitsgeschehen hat jetzt Rückenwind auf Europa-, ja auf Weltebene erhalten.

 

 

Die tatsächliche Krankheitslast werde nur unzureichend abgebildet, da lediglich der erste Hauttumor zähle und Hautkrebsfrühformen wie die aktinische Keratose ausgeblendet blieben, lautet der immer wieder geäußerte fachliche Einwand. Auf einem „Multi-Stakeholder-Gipfel“ zum berufsbedingten Hautkrebs war die Klage über die anhaltend schlechte Datenlage zur Häufigkeit und Verbreitung von beruflich bedingten epithelialen Hauttumoren massiv und kam aus vielen Richtungen. 

Immerhin soviel ist bei aller Unsicherheit bekannt: „Weißer“ Hautkrebs ist der bei weitem am häufigsten diagnostizierte Tumor weltweit. Es ist zugleich eine der häufigsten Berufskrankheiten in Europa überhaupt. In Deutschland liegt er an zweiter Stelle aller anerkannten Berufskrankheitenfälle; und die Zahl der Neuerkrankungen nimmt weiter zu. Weltweit werden jährlich rund zwei bis drei Millionen Fälle diagnostiziert, und allein im Jahr 2018 nach Expertenschätzungen waren 65.000 Todesfälle auf nicht-melanozytäre Hauttumoren zurückzuführen, wie in Paris zu hören war.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die solare UV-Strahlung bereits vor vielen Jahren als eine krebserregende Substanz der WHO-Gruppe 1 für Humankarzinogene zugewiesen. Die notwendigen gesundheitspolitischen und arbeitsrechtlichen Konsequenzen blieben bis heute in vielen Ländern jedoch aus und das Bewusstsein für die Gefahren für Tätigkeiten im Freien ist selbst innerhalb der betroffenen Berufsgruppen nach wie vor gering.

Prof. Claus Garbe, Präsident der European Association for Dermato Oncology (EADO) und Dr. Emilie van Deventer von der WHO forderten daher unisono schon zum Auftakt des Gipfels, das Bewusstsein für die Krankheit zu schärfen und politische Maßnahmen zu ergreifen mit dem Ziel, nicht-melanozytären Hautkrebs europa- wie weltweit - als Berufskrankheit anzuerkennen und zu bekämpfen.

Aus den Reihen der deutschen Gipfelteilnehmer gab Prof. Matthias Augustin, Hamburg, einen Überblick über Kosten und ökonomische Effekte von Prävention. Gleichzeitig machte er anhand von Zahlen seines Zentrums für Versorgungsforschung in einer Projektion die Dynamik der zu erwartenden Neuerkrankungsraten bis zum Jahr 2060 deutlich. Und Marc Wittlich, St. Augustin, veranschaulichte anhand von Dosimetriedaten aus einem Forschungsprojekt der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung die hohen Risiken, denen Arbeitnehmer quer durch alle Berufsgruppen ausgesetzt sind. im Bau-, Landwirtschafts-, Fischerei-, Freizeit-, Sport- und Dienstleistungssektor beispielsweise verbringen dort eine große Zahl Beschäftigter regelmäßig mehr als 75% ihrer täglichen Arbeitszeit unter freiem Himmel.

Der Schutz vor berufsbedingten Hauterkrankungen bleibt auf der Agenda. Dafür wollen die Gipfelteilnehmer sorgen. So endete das Gipfeltreffen mit einem umfassenden Fünf-Punkte-Programm zum Kampf gegen den berufsbedingten Hauptkrebs. Im Einzelnen beinhaltet der Aufruf fünf Forderungen, die sich teils an die Politik richten, teils an die Mediziner und Sozialpartner, teils an die Verantwortlichkeit der Arbeitgeber, aber auch an die Selbstverantwortung der unmittelbar betroffenen Arbeitnehmer:

  1. Stärkung der Rechtsvorschriften zum Schutz von Beschäftigten im Freien mit Zugang  zu regelmäßigen Screenings und frühzeitiger Behandlung; Aufnahme in die Liste der Berufskrankheiten in allen EU Mitgliedsstaaten
  2. Intensivierung der Zusammenarbeit zur Sicherstellung einer standardisierten Registrierung von nicht-melanozytären Hauttumoren;
  3. Entwicklung von einfachen Instrumenten zur Messung der UV-Exposition bei der Arbeit;
  4. Verbesserung der Berichterstattung über / Meldung von berufsbedingten nicht-melanozytären Hauttumoren (einschließlich aktinischer Keratosen);
  5. Verbesserung der Zusammenarbeit von Ärzten, Arbeitgebern und Patientengruppen, um die Prävention von Hautkrebs zu fördern und die bislang nicht erfüllten Anforderungen zum Schutz von Beschäftigten im Freien vor nicht-melanozytärem Hautkrebs zu beachten. Dies alles zur Prävention einer Erkrankung, die zu anhaltendem Leiden an hoch chronischen Tumoren führt.

 

Gleich nach der Europawahl, am 13. Juni, wird Prof. Swen Malte John auf Einladung der Europa-Parlamentsabgeordneten Lieve Wierinck und der European Cancer Patient Coalition (ECPC) im Rahmen einer Podiumsdiskussion im Europäischen Parlament ein Weißbuch der EADV zur Krankheitslast von nicht-melanozytärem Hautkrebs vorlegen.

 

Gipfeltreffen der Politik, Patienten und Wissenschaft

Eingeladen zum „Multi-Stakeholder Summit on Occupational Skin Cancer“ im Rahmen des 15. EADO-Kongresseshatten sieben Facherbände, Wissenschafts- und Patienten-Organisationen: die Europäische Akademie für Dermatologie und Venerologie (EADV); die European Association of Dermato Onkology (EADO), die Association of European Cancer Leagues (ECL), die International League of Dermatological Societies (ILDS), das European Dermatology Forum (EDF), die International Commission on Occupational Health (ICOH), die European Cancer Patient Coalition (ECPC) und die Institution of Occupational Safety and Health (IOSH)

Unter den rund vierzig Teilnehmern waren die Europäische Kommission, die Internationale Welt-Arbeitsorganisation (ILO) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hochrangig vertreten. Treibende Kraft hinter dieser  Initiative war einmal mehr healthyskin@work – in Deutschland besser bekannt als „Haut&Job“– mit Prof. Swen M. John als dem von der Europäischen Akademie für Dermatologie und Venerologie beauftragten Leiter der-Arbeitsgruppe zu berufsbedingten Hauterkrankungen und deren PR und Medien-Kommittee.

Mehr zu diesem Gipfeltreffen auf der Nachrichten-Website von Haut&Job und in der Fachzeitschrift DER DEUTSCHE DERMATNOLOGE