Experten warnen vor Hausarztmangel – Fachärzte bleiben außen vor

Gesundheitspolitik

Sachverständigenrat fordert mehr „Generalisten“

BERLIN - Vor dem Gesundheitsausschuss des Bundestages hat der Chef des Sachverständigenrates im Gesundheitswesen, Prof. Ferdinand Gerlach, eindringlich vor einem Mangel an Hausärzten auf dem Land gewarnt – und ähnliche Probleme bei den Fachärzten ausgeklammert. Im Gegenteil: Der Nachwuchs spezialisiere sich zu häufig als Facharzt.

Junge Mediziner hätten derzeit wenig Interesse daran, Hausarztpraxen in ländlichen Regionen zu übernehmen, sagte der Vorsitzende des „Sachverständigenrates zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen“, der Allgemeinmediziner Prof. Ferdinand Gerlach, im Gesundheitsausschuss des Bundestages. In manchen Regionen müssten bis 2025 bis zu 80 Prozent der Hausärzte ersetzt werden, weil diese in den Ruhestand gingen.

Derzeit geben laut Gerlach pro Jahr rund 2.300 Hausärzte ihre Praxen altersbedingt auf. Das Problem betreffe jedoch nicht nur den ländlichen Raum, sondern genauso die Städte. Rund 90 Prozent der nachrückenden Ärzte spezialisierten sich als Fachärzte und nur zehn Prozent als „Generalisten“ in der Allgemeinmedizin, monierte Gerlach. Es würden künftig deutlich mehr Allgemeinmediziner gebraucht.

Als Ursache für den drohenden Hausarztmangel nannte Gerlach unter anderem die Sorge des Medizinernachwuchses vor der Verantwortung, eine eigene Praxis zu betreiben. Die meisten jungen Ärzte seien ausgesprochen mobil, wollten aber nicht alleine arbeiten, sondern in Gruppen oder als Angestellte und nicht auf dem Land leben, sondern eher in Städten. Diesen speziellen Bedürfnissen müsse die Politik entgegenkommen, um „Entleerungseffekte“ im ländlichen Raum zu verhindern.

Neben einem „Landarztzuschlag“ schwebt den Experten vom Sachverständigenrat eine regional vernetzte Versorgung vor. In lokalen Gesundheitszentren könnten demnach mehrere Ärzte und Pfleger tageweise arbeiten, auch in Teilzeit und mit Kinderbetreuung. Auf diese Weise könnten junge Allgemeinmediziner weiter in Ballungszentren leben und während der Woche in die Gesundheitszentren pendeln. Die Telemedizin und mobile Dienste etwa für chronisch Kranke sollen das Angebot ergänzen.