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BOTOX: Hyperhidrose-Behandlung als IGeL

Behandlung der Schweißbildung als IGeL

Schweißbildung wird von den meisten Menschen als unangenehm empfunden. Dennoch handelt es sich zumeist nicht um eine Erkrankung. Das Wirtschaftsmagazin für den Hautarzt gibt Ihnen Hinweise zur IGeL-Abrechnung bei der Behandlung der Schweißbildung.

In der dermatologischen Praxis finden sich regelmäßig auch Patienten ein, die eine Beratung und ggf. Behandlung wegen ausgeprägter Schweißbildung wünschen.

Betroffene Patienten haben das Empfinden, an einer übermäßigen und daher als krankhaft anzusehenden Schweißbildung zu leiden oder es werden Erkrankungen als Ursache für die Schweißbildung vermutet. Damit sind zunächst einmal Beratungen und Inspektionen der schweißbildenden Hautareale GKV-Leistungen und nach dem EBM abzurechnen. Auch weitere differentialdiagnostische Abklärungen, ob die Schweißbildung Symptom einer Erkrankung ist, sind zu Lasten der GKV zu berechnen. Die Abklärung einer dafür in Frage kommenden Hyperthyerose oder auch die Analyse entsprechender Hormone bei Verdacht auf eine Hormonstörung sind dann ebenfalls Kassenleistungen.

Schwitzen ist keine Erkrankung

Bei den meisten Patienten wird keine Erkrankung als Ursache für die Schweißbildung gefunden. Abzuklären ist dann, ob der Ausprägungsgrad der Schweißbildung derart ist, dass eine Behandlung sinnvoll ist. Gerade bei der Schweißbildung spielt die individuelle Sichtweise eine enorme Rolle: Eine objektiv gesehen relativ geringfügige Schweißbildung kann von einem sensiblen Patienten als sehr störend empfunden werden, von einem anderen, weniger empfindlichen Pa¬ienten dagegen als normal.
Gerade die Schweißbildung hängt - wie kaum eine andere Körperfunktion - außerordentlich stark von individuellen und genetischem Faktoren ab.

Seit einiger Zeit werden Dermatolo¬en vermehrt mit der Frage konfrontiert, welche Möglichkeiten bestehen, die Schweißbildung zu beeinflussen. Die Ursache hierfür dürfte darin zu sehen sein, dass in jüngster Zeit in den Medien, insbesondere im Fernsehen, über neue Behandlungsmethoden berichtet wird, so insbesondere über die seit einiger Zeit mögliche Injektionsbehandlung mit Botulinumtoxin. Insbesondere nachdem entsprechende Arzneimittel mit der Indikation „Behandlung der Hyperhidrose" zugelassen sind, hat die Nachfrage nach Hyperhidrose-Behandlungen deutlich zugenommen. 

Abgrenzung - IGeL

 

Ob eine Schweißbildung vorliegt, die im Rahmen der individuellen Schwankungsbreite liegt und somit als "normal" zu bezeichnen ist, muss der Hautarzt im Einzelfall entscheiden. Unter Umständen kann der Hautarzt auch zu der Diagnosestellung „pathologische Schweißbildung" gelangen und dann weitere Behandlungen, zum Beispiel auch Botulinumtoxin-Injektionen, als GKV-Leistungen durchführen (Diagnoseangabe: Pathologisches Schwitzen ICD-10-Schlüssel: R 61.9).

In den meisten Fällen wird der Hautarzt allerdings den Patienten verdeutlichen müssen, dass Schweißbildung zwar unangenehm und häufig auch belästigend für die Umgebung ist, dass es sich aber dennoch nicht um eine Erkrankung handelt, die über den Behandlungsausweis der Gesetzlichen Krankenkassen behandelt werden kann. Wünscht ein Patient die Behandlung seiner als „normal" eingestuften Schweißbildung, ist unbedingt ein schriftlicher Behandlungsvertrag zu schließen, in dem auch auf die voraussichtlichen Kosten der Behandlung hingewiesen werden sollte, am besten durch Benennung der in Frage kommenden GOÄ-Positionen, zusammen mit den Steigerungsfaktor und Endbetrag.

Wird eine Behandlung mit Botulinumtoxin erwogen, sollten auch die nicht unerheblichen Kosten für die entsprechenden Arzneimittel erwähnt werden.

Wichtig: Behandlung des Schwitzens als IGeL

- Abklärung möglicher verursachender Erkrankungen ist GKV-Leistung
- Liegt keine krankhafte Schweißbildung vor, ist schon die Beratung zu den Behandlungsmöglichkeiten IGeL, z.B. Nr. 1 GOÄ 80 Punkte, 2,3fach/ 10,72 €, ggf. auch Nr. 3 GOÄ, Beratung mindestens 10 Minuten, 150 Punkte, 2,3fach / 20,11 €
- Nr. 752 GOÄ analog Schweißtest, 150 Punkte, 2,3fach / 20,11€
- Nr. 252 GOÄ Subkutane Injektion (z.B. Botulinumtoxin), 40 Punkte, 2,3fach / 5,36 €, 3,5fach / 8,15€
- Begründung für Steigerungsfaktor 3,5 zu Nr. 252: „Schwierige Injektion von Botulinimtoxin“
- Berechnung der Nr. 252 je Injektion von Botulinumtoxin, unter Umständen somit auch mehrfach nebeneinander im Rahmen einer Konsultation
- Nachschau: Nr. 5 GOÄ, 80 Punkte, 2,3fach / 10,72 €
- Alle Behandlungen strikt nach GOÄ liquidieren
- Kosten für Arzneimittel (Botulinumtoxin) detailliert abrechnen, keine Pauschalen.

 

Quelle: Wirtschaftsmagazin für den Hautarzt 5/2006

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BOTOX-Behandlung bei Hyperhidrosis axillaris - keine vertragsärztliche Leistung

Seit dem 13.08.03 ist das Arzneimittel BOTOX 100 Einheiten Pulver zur Herstellung einer Injektionslösung für das Anwendungsgebiet starke, fortbestehende primäre Hyperhidrosis axillaris (Achselschweiß), die störende Auswirkungen auf die Aktivitäten des täglichen Lebens hat und mit einer topischen (lokalen äußerlichen) Behandlung nicht ausreichend kontrolliert werden kann, zugelassen. Gesetzliche Krankenkassen vertreten daraufhin die Ansicht, dass die Behandlung der Hyperhidrosis axillaris mit BOTOX dann, wenn die vorgenannten Bedingungen vorliegen, eine vertragsärztliche Leistung sei. Dies ist nicht der Fall.

Die abrechnungsfähigen Leistungen ergeben sich aus dem einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM). Nur ärztliche Leistungen, die im EBM vorgesehen sind, sind auch zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen abrechenbar. Die Behandlung der Hyperhidrosis axillaris mit BOTOX ist im EBM nicht als ärztliche abrechnungsfähige Leistung vorgesehen. In einem Schreiben vom 13.10,2004 verweist der gemeinsame Bundesausschuss, der für die Zulassung neuer Behandlungsmethoden zuständig ist, an den Bewertungsausschuss, weil dieser ggf. nach § 87 SGB V die Behandlung der Hyperhidrosis axillaris mit BOTOX oder vergleichbaren Medikamenten in den EBM aufnehmen müsste, damit Abrechnungsfähigkeit gegeben ist.

Bei der Frage der Abrechnungsfähigkeit ist zwischen der Zulassung des Medikaments und der ärztlichen Behandlung, bei welcher das Arzneimittel zum Einsatz kommt, zu unterscheiden. Hier liegt die arzneimittelrechtliche Zulassung vor, die eine weitere Überprüfung hinsichtlich der Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit nach dem Wirtschaftlichkeitsgebot (§ 12 SGB V) ausschließt, doch ist damit die Behandlung des Krankheitsbildes der Hyperhidrosis axillaris mit BOTOX als neue Behandlungsmethode noch nicht zur vertragsärztlichen Leistung geworden. Diese Leistung müsste vielmehr in den EBM aufgenommen werden. Die Behandlung des Krankheitsbildes mit BOTOX kann auch nicht den Grundleistungen der NR 1 EBM zugerechnet werden.

Wegen der Einheitlichkeit der ärztlichen Behandlung ist es unzulässig, beispielsweise das Arzneimittel BOTOX zu Lasten der GKV zu verschreiben und die ärztliche Leistung selbst privat abzurechnen. Die gesamte Behandlung, und zwar sowohl die ärztliche Leistung als auch der Einsatz des Arzneimitteis BOTOX kann nach entsprechender Belehrung des Patienten nur privatärztlich (IGeL) abgerechnet werden. Ausnahmen, die im Übrigen gesetzlich unzulässig sind, kann allenfalls eine Krankenkasse schriftlich bestätigen.

Dr. jur. Gerd Krieger 20.01.2005