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Haut trifft Kunst

Bodypainter Ralf Bauer und sein Modell waren stets umlagert von Passanten.

Medizinische Fortbildung und Straßenaktion

KASSEL – Gleich dreimal hieß es „Haut trifft Kunst“ anlässlich der „Documenta“ in Kassel: zum Auftakt bei einer CME-Fortbildung für die Fachgruppe im historischen Renthof, am folgenden Tag dann bei einem „Kunstevent“ auf dem Opernplatz und abschließend bei einem öffentlichen Vortrag mit Prof. Volker Steinkraus unter dem gleichen Motto im Naturkundemuseum. 

Ein überdimensionaler Kopf ist der Publikumsmagnet auf dem Kasseler Opernplatz. Er zeigt fotorealistisch typische Spuren lebenslanger UV-Sonnenstrahlung. Viele Dermatologen kennen das Exponat bereits von den großen Kongressen des Faches als Blickfang eines Messestandes. Weltweit ein Unikat. Die Firma Almirall hat es speziell zur Straßenaktion in Kassel aus Spanien per LKW herbeischaffen lassen.

Die Wirkung ist phänomenal: Viele inspizieren das Modell mit Blicken zunächst von weitem, andere betasten neugierig die lebensecht wirkende Schädelnachbildung. Viele Jugendliche und eine Reihe von  Documenta-Touristen schießen Selfies: Sie schicken ihre Bilder des Kunstevents hinaus in alle Welt.

Die Botschaft wird auch ohne viele Worte unmittelbar verstanden: „Solche Hautveränderungen habe ich auch.“ Und: „Ist das Hautkrebs?“ stellt so mancher fest – und schon ist er im Gespräch mit Umstehenden, während Mitglieder der örtlichen Patientenselbsthilfe und Mitarbeiter des Berufsverbandes der Deutschen Dermatologen emsig Flyer zum Thema heller Hautkrebs, zur Euromelanoma-Kampagne und Sonnenschutz-Produktproben verteilen.

Ein paar Meter weiter malt der Kölner Maskenbildner Ralf Bauer seinem Modell zunächst farbige Flächen später dann Spiralmuster auf die nackte Haut. „Hautkrebs fängt wie die Farbtupfer auf der Haut klein und unscheinbar an und wird daher zunächst nicht richtig beachtet.“ Ein Denkanstoß zur Hautkrebsprävention, Ergebnis von Vorgesprächen mit dem Projektmanagement des BVDD, den Bauer immer wieder neu erläutert, wenn er mit dem ein oder anderen Passanten ins Gespräch kommt.

Das Kopfmodell benötigt wie seine lebendigen Vorbilder UV-Schutz. Der auf dem Opernplatz an diesem Tag errichtete 25 Quadratmeter große Pavillon mutiert alle 20 Minuten zur Bühne. Pablo Zibes und Ernesto Isidoro, zwei aus Spanien stammende renommierte Pantomimen, zeigen an diesem Samstagvormittag in kurzen Spielszenen ohne Worte wie Schuppenflechte wirkt. Beim Treffen auf der Straße, im Omnibus, am Strand gehen Mitmenschen auf Distanz, wenn sie bei ihrem Gegenüber entzündliche  Hautveränderungen feststellen.

Hinter diesen pointierten Spielszenen stecken eigene Erfahrungen aus dem unmittelbaren Umfeld der Künstler. „Es ist wirklich beklemmend für Betroffene auf der Straße mit abwertenden Blicken beäugt zu werden. Mir ist es daher auch ein persönliches Anliegen, auf das Problem der Stigmatisierung von Menschen mit Schuppenflechte aufmerksam zu machen“, so Pablo Zibes.

„Nein, ich habe damit nichts zu tun“ oder: „Ich kenne niemanden mit Schuppenflechte“, heißt es meist auf neugierige Nachfrage. Kein Wunder: Nur jeder vierzigste Bundesbürger leidet an einer Psoriasis. Doch es kommen auch einige wenige Betroffene an diesem Samstag zum Kunstevent und suchen den Austausch. Für sie alle gibt es Flyer von der bundesweit größten Schuppenflechtekampagne „Bitte berühren“ und den Hinweis auf den Web-Auftritt der Kampagne mit vielen weiteren Informationen rund um das Thema Psoriasis.

„Meine Schuppenflechte verläuft in Wellen“, berichtet einer. Anders als bei seinem Gesprächspartner von der Selbsthilfe, wird bei ihm die Entzündung auch in den Sommermonaten oder unter einer UV-Bestrahlungstherapie nicht besser – eher im Gegenteil, so sein Eindruck. Ein anderer berichtet vor laufender Kamera einem Filmteam, von der durchschlagenden Wirkung einer Biologika-Therapie nach einem zwanzigjährigen Leidensweg

 

blu/BVDD